Reisebericht

Hier können Sie sehen, was unsere Reisenden auf ihrer Reise erlebt haben.

26 Nov. 2005 • Frankfurt - Bogota

Hoteleindrücke
Gruppenbild

Ankunft in Kolumbien

Der Hinweg begann für einen Teil der Gruppe mit Hindernissen: Ilona, Jörg, Ernst und Marion, die ab Paris nach Bogota fliegen sollten, mussten in Frankreich wegen des schlechten Wetters und Schneetreibens erst einmal anderthalb Stunden warten bis sie an Bord durften. Doch es sollte noch schlimmer kommen - endlich im Flugzeug sitzend mussten sie nochmal 3 (!!!) Stunden warten, bis die Maschine endlich starten konnte. Schlussendlich landeten die vier also mit rund 4 Stunden Verspätung in Kolumbien, wo sie am Flughafen bereits vom viventura-Team erwartet wurden.

Im Hotel wartete dann bereits der Rest der Gruppe. Das Begrüßungsessen gab es dann in einem typischen kolumbianischen Restaurant mit Live-Musik.

27 Nov. 2005 • Bogota

Marion einfach glücklich
Der König vom verückten Grillrestaurant

Montserrate, Goldmuseum und Altstadt

Den nächsten Morgen begannen wir mit einem leckeren Frühstück - natürlich mit bestem kolumbianischem Kaffee. Um das sonnige Wetter am Morgen auszunutzen, passten wir das Programm ein bisschen an und fuhren bereits am Morgen zum "Hausberg" Montserrate auf ca. 3200 m Höhe. Am Sonntag pilgern hier die Kolumbianer hin - entweder zu Fuß oder mit der Seilbahn - um die Kirche zu besuchen, die schöne Aussicht zu genießen oder in einem der vielen Restaurants zu essen.

Wir verschoben den Sport auf später und nahmen ganz faul die Seilbahn. Nach einem ausgiebigen Rundgang besuchten wir als nächstes das Goldmuseum. Besonders beeindruckend war der "Salon Dorado" - hier werden 8.000 Goldfunde ausgestellt, Masken, Ohr- und Nasenringe, Brustpanzer und vieles mehr. Dabei betritt man einen zunächst dunklen Raum, mit Musikuntermalung werden dann die Ausstellungsstuecke effektvoll angestrahlt.

Nach einem kleinen Empanada-Snack brachen wir zu einem kleinen Stadtrundgang auf: verschiedene Kirchen, die Plaza Bolivar mit Kathedrale und Regierungspalast sowie vor allem den historischen Stadtteil Candelaria, der mit kleinen buntbemalten Kolonialhäuschen in den engen Gassen besonders sehenswert ist.

Nach einem Bankautomaten-Stopp - schon der fünfte Apparat funktionierte und spuckte endlich Pesos aus - fuhren wir weiter in den Stadtteil Usaquen, wo wir über einen kleinen Kunsthandwerkmarkt bummelten. Die ersten deckten sich gleich mit Souvenirs ein, insbesondere Schmuck, Coca-Tee und Coca-Kekse standen hoch im Kurs :) Den Abend verbrachten wir dann im angesagten Grill-Restaurant Andres-Carne de Res, neben dem leckeren Essen fällt hier auch die ausgefallene Dekoration ins Auge.

28 Nov. 2005 • Bogota - Villa de Leyva

Salzkathetrale von Zipaquira
Besuch in der Fundacion de los Andes

Sozialprojekt und Salzkathedrale

Heute morgen brachen wir von Bogota mit kleinem Gepäck auf (der Rest kann zum Glück den nächsten Tag über im Hotel bleiben). Erster Stopp war die Fundacion Ninos de los Andes, wo Straßenkinder betreut und auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden. Derzeit sind über 100 Kinder von 7 bis 18 Jahren dort untergebracht, neben dem normalen Schulunterricht können sie handwerkliche Fertigkeiten wie z.B. Nähen, Backen, Schreinern etc. erlernen. Natürlich hielten wir uns hier viel zu lange auf, die Kids wollten auch einiges von uns wissen. Zum Abschluss übergab unser Reiseleiter Rene die Spende - von jeder Reise gehen ja 25 Euro direkt an die Stiftung.

Mit dem Bus ging es dann weiter bis Zipaquira, wo wir die Salzkathedrale besuchten. In ein Salzbergwerk wurde hier in 4jaehriger Arbeit eine Kathedrale gehauen, sehr stimmungsvoll die mit blauem Licht angestrahlten Skulpturen!

Nach längerer Fahrt kamen wir dann eben endlich in Villa de Leyva an, das historische Städtchen ist insbesondere für seine kopfsteingepflasterte Plaza berühmt. Unser Hostal ist sehr niedlich, alles mit Weihnachtsdekoration geschmückt, sehr rustikal eingerichtet und die Zimmer gehen auf einen schön bepflanzten Innenhof hinaus. Nachdem einige durch die Gassen schlenderten und andere das Internet-Cafe belagerten, gab es das verspätete Abendessen in einer Pizzeria direkt an der Plaza. Später gab es noch das eine oder andere Absacker-Bierchen in geschrumpfter Runde (Franco, Rene, Thomas, Marion) in einer kleinen Bar, wo die Dorfjugend den einen oder anderen Sals aufs Parkett legte. Die Nacht war dann zur Abwechslung etwas kürzer… :-)

29 Nov. 2005 • Bogota - Villa de Leyva

Schwindelfrei über den Paso de Angel
Ein erfrischendes Bad

Wandern auf dem Paso de Angel

Für das Frühstück räumten wir kurzerhand das gesamte Mobiliar auf den kleinen Balkon - Huevos revueltos mit Blick auf die Plaza von Villa de Leyva. Vor der Abfahrt schlenderten wir noch gemütlich durch die Gassen, bevor uns der Bus wieder durch die Landschaft schaukelte ohne auch nur ein Schlagloch auszulassen.

Nächster Haltepunkt: El Fosil, das versteinerte Skelett eines Kronosaurus - ein 11 m langes Riesenkrokodil, das in den siebziger Jahren gefunden wurde. In der Gegend gibt es auch jede Menge versteinerte Pflanzen und Muscheln. Am Verkaufsstand vor dem Museum gab es die entsprechenden Souvenirs zu kaufen, diese Gelegenheit wurde rege genutzt.

Weiter ging es zum "Paso de Angel", einem schmalen Bergkamm inmitten weitgehend unberührter Natur, der an der engsten Stelle ca. 60 cm misst. Den Rückweg legte ein Teil der Gruppe von Stein zu Stein hüpfend im Flussbett zurück - mit anschließendem Erfrischungsbad. Der andere Teil wählte die etwas harmlosere Variante, einen Pfad oberhalb des Flusses.

Auf dem Rückweg nach Bogota besichtigten wir noch kurz die "Puente de Boyaca", wo Simon Bolivar 1819 die königliche Armee schlug. Die weitere Heimfahrt verlief ruhig - bis kurz vor Bogota … "klonk, klonk, klonk" … ein Reifen des Buses platzte. Mit Plattfuß fuhren wir noch ein kurzes Stück weiter bis zu einer Werkstatt und Begleitung diverser Schaulustiger wurde der Reifen ausgetauscht. Wieder einmal kamen wir ziemlich spät im Hotel an, so dass außer Umpacken für Nuqui nichts mehr drin war an diesem Abend.

30 Nov. 2005 • Nuqui - Villa de Leyva

Reisen macht müde
Warten auf das Wassertaxi

Die nasse Zeit beginnt…

Da unser Flug vorverlegt wurde, gab es bereits um 4.15 Uhr Frühstück, und kurz vor 5 brachte uns unser Bus zum Flughafen. Dort wurden wir schon von Thorsten von viventura erwartet und checkten ein. Zum Glück konnten wir unser Gepäck teilen, so dass der größte Teil gleich nach Medellin geht und dort von einer Agentur abgeholt und ins Hotel gebracht wird. In Medellin stiegen wir um in eine kleinere Propellermaschine bis nach Quibdo. Hier hatten wir etwas länger Aufenthalt, da es in Nuqui regnete. Mit Verspätung erreichten wir schließlich Nuqui an der Pazifikküste - wie vorausgesagt im Regen, aber daran sollten wir uns noch gewöhnen.

Am Flughafen wechselten wir erst mal die Kleider und machten uns regentauglich. Per Boot wurden wir von Pozo von der Lodge abgeholt, unser Gepäck und wir selbst regensicher verpackt und dann ging es die Küste entlang bis El Cantil. Der Wellengang war nicht ohne und die Meeresdusche inbegriffen…

Ziemlich durchweicht erreichten wir schließlich El Cantil, wo wir mit frischem Obstsalat und heißem Kaffee begrüßt wurden. Nachdem wir unsere stilechten Cabanas bezogen hatten, läutete es auch schon zum Mittagessen: leckerer Fisch! Die anschließende freie Zeit nutzten einige zu einem ersten Strandspaziergang oder einfach zum Relaxen. Später am Nachmittag wanderten wir gemeinsam den Strand entlang und genossen das Wellenbaden und Planschen im Pazifik - natürlich hielt uns der fortwährende Nieselregen nicht ab! Mittlerweile war uns klar geworden, was Regenzeit im Regenwald bedeutet. Der Rückweg führte uns vorbei an einem kleinen Wasserfall im Dschungel, idyllisch gelegen und ideal, um das Salzwasser, das der Regen noch nicht abgewaschen hatte, herunter zu spülen.

Schon früh wurde es dunkel und die Petroleumlampen der Ökologie wurden angezündet. Tratschend warteten wir auf der Terrasse auf das ersehnte Glockenklingeln zum Abendessen. Zwischendurch lenkte uns eine Spinne vom Hunger ab, die es sich auf Ernsts Moskitonetz bequem gemacht hatte. Das heiß ersehnte Abendessen war natürlich wieder superlecker und wieder gab es eine Fischvariation. Da wir alle vom frühen Aufstehen etwas lädiert waren, wurde es ein eher ruhiger Abend.

01 Dez. 2005 • Bogota

Boa in Nuqui
Termalquellen

In den Thermalquellen

Beim Rauschen des Meeres hatten wir wohl alle gut unter unseren Moskitonetzen geschlafen. Zum Aufwachen gab es erst mal eine Vitaminbombe: Auf der Terrasse wurde Fruchtsalat serviert. Gut gestärkt vom Frühstück ging es dann gegen halb 10 los. Entlang der Küste wanderten wir im leichten bis stärkeren Nieselregen zu den Thermalquellen, teils auf Dschungelpfaden, teils am dunklen, feinkörnigen Sandstrand. Mit freundlichem Militärbegleitschutz ging es dann zur Quelle, deren warmes Wasser eine Abwechslung zum lauwarmen Tropenregen darstellte. Im Regen harrten auch die Militärs geduldig und gut beschirmt aus.

Da der Regen mittlerweile recht stark geworden war und in großen Tropfen vom grünen Blätterdach fiel, blieben wir einfach erst mal im Wasser - Bildung von Schwimmhäuten nicht ausgeschlossen. Doch unsere Geduld machte sich bezahlt und schließlich blinzelte sogar die Sonne durch die Baumwipfel. Unsere Bodyguards vom kolumbianischen Militär begleiteten uns noch durchs nahe gelegene Fischerdörfchen, dann sagten sie "Adios". Bei Flut war der Strand weitaus weniger breit als auf dem Hinweg, als Ebbe war. Angekommen in El Cantil wurden wir mit erfrischender Limonade empfangen, und auch eine Mini-Boa-Constrictor erwartete uns vor der Haustür. Nach dem lecker-fischigen Mittagessen konnte sich jeder für seine Lieblingsvariante entscheiden: Baden, Relaxen in der Hängematte, Strandspaziergang oder Erkunden von Dschungelpfaden.

Die meisten vergnügten sich planschen in den hohen Wellen des Pazifiks, bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein. Weiteres Highlight war ein knuddeliges Faultier, das sich eine Baumkrone auf dem Gelände der Lodge ausgesucht hatte, um dort herumzuhängen.

Zum Abendessen gab es wieder sehr leckeren Fisch, doch einmal mehr bekam die dicke Lodge-Katze nichts ab. Nach dem Essen überraschte uns Rene mit einer "Schachtel" Rum, Schnaps im Tetra Pak, das gibt es in Deutschland vermutlich auch nicht…

Bei klarem Himmel konnten wir Tausende von Sternen sehen und sogar das eine oder andere Sternbild erkennen. Keine Wolke war zu sehen und so rechneten wir mit gutem Wetter für den nächsten Tag …

02 Dez. 2005 • Nuqui

Giftpfeilfrosch
Urwaldlogde El Cantil

Welcome to the Jungle / Paradise City

… geweckt wurden wir von starkem Regen, die Sintflut war zurück gekommen! Doch bereits nach dem Frühstück begann der Himmel aufzureißen, so dass der Großteil der Gruppe zur Dschungelexpedition zu den Pfeilgiftfröschen aufbrechen konnte. Der Rest (Marion) blieb in der Lodge, genoss lange Strandspaziergänge bei Ebbe und ein ausgiebiges Bad im Pazifik. Bei niedrigem Wasser krabbelten immer wieder ganze Krebsschwärme in Hochgeschwindigkeit über den feinen Sand.

Währenddessen stapfte die übrige Gruppe durch den Regenwald und machte Bekanntschaft mit einigen Heilpflanzen, aber vor allem mit viel, viel Matsch und Lehm. Doch immerhin waren die Frösche vor Ort, noch dazu als Ampelkoalition in den Farben rot, gelb und grün. Nach einigen Strapazen, Ausrutschern, Ameisen-Meet-and-Greet und viel Grünzeug kamen die allzeit gut eskortieren Wanderer wieder in der Lodge an. Zur Stärkung gab es Limonade und kurz darauf ein Fischmahl, um die müden Krieger wieder aufzupäppeln. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand mit Schwimmen und Warten auf die Wellen, die im Vergleich zum Vortag reichlich schwach auf der Brust waren. Allmählich schoben sich auch wieder Wolken vor die Sonne, da halfen alle Sonnen- und Wellenbeschwörungen nichts. Also nahmen wir innerlich schon mal Abschied von der Pazifikküste und marschierten durch den Sand zurück zum El Cantil. Durch die Sonne am Mittag war nun auch endlich unsere durchnässte Wäsche trocken geworden - was lange währt wird endlich gut!

Noch einmal genossen wir die Hängematten und den wunderschönen Blick von den Terrassen der Cabanas bis das Abendessen-Glöckchen uns zum Fischessen rief. Den Abend beschlossen wir bei einem weiteren "Schächteli" Rum, doch da wir am nächsten Morgen schon früh aufbrechen mussten, ließen wir uns schon bald unter die Moskitonetze fallen…

03 Dez. 2005 • Nuqui - Medellin

Ernst schmutzig nach selbstlosem Einsatz
Typischer Transport in el Choco

Camel Trophy á la Colombia

Bereits um halb sechs mussten wir raus, nach Fruchtcocktail und Frühstück sollte es losgehen. Wie befürchtet, regnete es mal wieder in Strömen. Schweren Herzens nahmen wir Abschied vom Dschungelparadies und machten uns auf beschwerlichen Wegen auf zurück in die Zivilisation. Und so stiegen 11 gelbe Wichtelmänner und -frauen ins Boot, um im Regen ausharrend bis nach El Valle zu schippern. Erst nach einiger Zeit wurden die Tropfen kleiner - doch die Holzbänke wurden immer härter. Für einen kurzen Augenblick sprangen neben dem Boot Delfine aus dem Wasser.

Allmählich ließen die Wolken ein paar Sonnenstrahlen durch. Nach einem spektakulären Anlegemanöver konnten wir wieder auf festen Boden zurückkehren und verabschiedeten uns von Pozo von der Lodge. In dem kleinen Dorf waren wir an diesem Tag vermutlich die Hauptattraktion - fuhr uns war dies das Gefährt, mit dem es weitergehen sollte. Die rote Kiste hatte ganz sicher schon bessere Tage gesehen und sah nicht unbedingt vertrauenserweckend aus. Eventuell trug dazu auch bei, dass noch eifrig am Motor geschraubt wurde. Klappe zu, Gepäck aufs Dach, viventouries eingeladen und los ging es!

Auf der Schlaglochpiste quälten wir uns von einem Schlammloch zum nächsten. Nach und nach loeste sich unsere Karre auf, Sitzbaenke wurden tiefer- bzw. zerlegt, Schrauben loesten sich und schlussendlich krachte beim Abschleppen das hintere Auto in uns. Mehrmals war Anschieben angesagt, wobei Ernst besonders ausdauernd war und zum "Held der Straße" avancierte. Auch das gemeinsam mit uns gestartete zweite Auto hatte immer wieder Probleme und musste schließlich qualmend aufgeben. Die berühmt-berüchtigte Camel Trophy lässt grüssen!

Die Zeit schritt immer weiter voran und der Zeitpunkt unseres Abfluges rückte näher. Just-in-time erreichten wir schlammverschmiert das Flughafengebäude und waren erleichtert, als wir nach dem Einchecken endlich in unserer Propellermaschine nach Medellin Platz nehmen konnten.

Der Flug war kurz und nachdem wir im Hotel "Botero Plaza" angekommen waren, genossen wir erst einmal in Ruhe eine schöne warme Dusche. Der restliche Tag stand zur freien Verfügung, Wäsche waschen, bummeln, shoppen und Internet-Cafe zählten zu den Hauptaktivitäten, bevor wir uns zum gemeinsamen Abendessen trafen. Zur Abwechslung gab es mal wieder Fleisch…

Der fitte Teil der Gruppe startete anschließend einen Zug durch Medellins Nachtleben - mit tatkräftiger Unterstützung von Ortskundigen "guias".

04 Dez. 2005 • Nuqui - Salento

Carlos der Guia von Medellin
Medellin unter Einfluss von Botero

Auf den Spuren Escobars

Nach dem Frühstück wurden wir von unserem lokalen Guide Carlos zur Stadtrundfahrt abgeholt. Erste Station war die nahe gelegene Botero Plaza, wo zahlreiche Statuen des berühmten kolumbianischen Künstlers aufgestellt sind. Botero ist insbesondere dafür bekannt, sämtliche Motive wohl gerundet darzustellen. In der ganzen Stadt konnte man schon die Vorbereitungen für die ab 7.12. stattfindende Weihnachtsbeleuchtung sehen. Groß und grellbunt - angeblich damit die Armen in den Vororten am Berg auch etwas davon sehen können.

Weiter ging es mit unserem Minibus zum "Parque de las deseos", dem Park der Wünsche. Hier konnte jeder seinen persönlichen Wunsch loswerden, aber auch die moderne Architektur bewundern. Zum Park gehört auch eine Installation, die es dank physikalischer Gesetzmäßigkeiten ermöglicht über einen Platz hinweg miteinander zu "telefonieren". Auf dem Gelände ist außerdem eine Sternwarte untergebracht und gelegentlich finden Open-Air-Kinovorstellungen statt.

Weiter ging es auf den Cerro Nutibara, einem Stadtberg, auf dem ein typisch antioquenisches Dorf nachgebaut wurde, das "Pueblito Paisa". Nach einem Rundgang genossen wir die Spezialitäten des Saftstandes und lernten ein kleines Peresoso (Faultier) kennen, das auf dem Arm spazieren getragen wurde.

Schon während der Busfahrt hatten wir viel über Pablo Escobar und seine Taten erfahren und einige seiner Gebäude gesehen. Also durfte auch ein Abstecher zu seinem Grab auf dem Friedhof "Jardines de Montesacro" nicht fehlen. Wie alle Gräber wird es lediglich von einer schlichten Marmortafel geziert, jedoch umgeben von einem Meer frischer Blumen. Escobar war Ende der 70er zum mächtigsten Mann des größten Drogenkartells der Welt geworden. Vom Grabstein- und Autodieb wurde er zum Drogenbaron. Mit der Regierung lieferte er sich eine terroristische Attentatserie nach der anderen, während er gleichseitig die Armen unterstützt. Heutzutage will der Staat verhindern, dass Escobar verherrlicht wird - kein Wunder also, dass bereits nach wenigen Minuten Aufenthalt am Grab ein paar Uniformierte nach dem Rechten schauten :-)

Zur Stärkung nahmen wir noch wahlweise Kaffee oder Coca-Tee in Carlos Café zu uns. Dabei erzählte er uns von der Coca-Pflanze - bei den Indigenas traditionell als Heilpflanze verehrt - die durch den Kokainhandel und -missbrauch in ein falsches Licht gerückt wurde.

Zurück im Hotel nahmen wir unsere frisch gewaschene Wäsche entgegen, sortierten noch ein bisschen und vereinzelt waren leichte Schockanzeichen angesichts des hohen Preises bemerkbar. Bisher hatte das Wetter gehalten, doch beim Festzurren des Gepäcks setzte mal wieder ein leichter Nieselregen ein. Als wir von einem schnellen Mittagessen zurückkehrten und endlich in Richtung Kaffeezone aufbrachen, goss es wieder wie aus Kübeln und da der Bus "nicht ganz dicht" war, tröpfelte es stetig ins Innere. Passend dazu die Untermalung mit sündhaft schlechter Fahrstuhlmusik …

Glücklicherweise besserte sich das Wetter bald wieder, so dass wir die grüne Berglandschaft vor dem Fenster vorbeiziehen sehen konnten. Wir hatten einen wunderschönen Ausblick: dicht bewachsene Berge, Bananenstauden, bunte Verkaufsstände mit Obst und vom Dach herunter hängenden rot-gelben Kaffeekirschen, kleine Dörfer mit grell blinkender Weihnachtsbeleuchtung. Gegen 20:15 erreichten wir unsere Kaffee-Finca, wo wir mit Aguardiente, dem Nationalschnaps, empfangen wurden. Nach einem schmackhaften Abendessen löste sich die Gruppe bald auf, um fit für den Nevado del Ruiz zu sein.

05 Dez. 2005 • Medellin

Im Tal der Gräber
Die Gipfelstürmer vom Nevado del Ruiz

Schneewanderung auf 5.000 Hoehenmeter

Schon um 6.15 Uhr versammelten wir uns mehr oder weniger schlaftrunken zu einem kleinen Snack um den Frühstückstisch. Mit unserem Bus fuhren wir nach Manizales, wo wir von unserem lokalen Guide Alex samt zugehörigem Bus und Fahrerin erwartet wurden. Langsam fuhren wir vom auf 2.150 hoch gelegenen Manizales immer höher - um die Höhenanpassung besser zu vertragen, froren wir im T-Shirt und bei geöffneten Fenster (wegen des "Druckausgleichs" …) vor uns hin. Das Wetter ließ leider zu wünschen übrig: Die Berglandschaft der Nevados lag nebelverhangen vor uns und immer wieder regnete es. Auf der Höhe von 3.300 m machten wir in "La Esperanza" halt und frühstückten.

Die Nevados sind die höchste Erhebung der Zentralkordillere, der Nationalpark umfasst eine Fläche von 580 km2. Der aktive Vulkan Nevado del Ruiz ist mit 5.400 m der höchste. Immer höher führte der Weg, doch unsere Hoffnung, dass wir über die Wolkendecke und somit in besseres Wetter kommen würden, erfüllte sich leider nicht. Durch die beschlagenen Scheiben konnten wir die typische Paramolandschaft mit Frailejones, Farnen, Gräsern und Moosen erahnen. Ab 4.700 m beginnt die Schneegrenze. In La Brisa ist die Station der Nationalparkverwaltung, wo wir zur Akklimatisierung stoppten und unsere Bergführerin an Bord nahmen. Einige Gruppenmitglieder begannen unter der Höhe zu leiden - die Gesichtsfarbe tendierte zu weiß-grün…

Auf 4.800 m verließen wir den Bus, bei leichtem Schneetreiben begannen wir langsam den Aufstieg. Schritt für Schritt stapften wir bergauf, die Atmung ging immer schwerer. Nach und nach erreichten alle die 5.000 m Markierung - früher oder später… Vor lauter Rührung legte Marion noch einen Kniefall im Schneematsch hin und zur Feier des Tages gab es 5.000-Höhenmeter-Coca-Kekse.

Der Abstieg fiel bedeutend leichter, wenn auch die eine oder andere Rutschpartie nach unten führte. Zum Mittagessen kehrten wir wieder in der Esperanza ein, fuer einige auch der Hoffnungsschimmer, besser mit der Höhe klar zu kommen - wenn auch die fangfrischen Forellen aus den umliegenden Bergbächen zum Teil unangetastet blieben.

Doch das eigentlich Abenteuer begann auf der Rückfahrt: Schon auf dem Hinweg hatten wir eine Stelle passiert, wo ein Erdrutsch wegen des vielen Regens die Straße zugeschüttet hatte. Deswegen sollten wir vor 17 Uhr die Stelle hinter uns lassen, danach würde die Strecke gesperrt werden. Pünktlich waren wir an der Engpassstelle, doch vor uns staute sich plötzlich der Verkehr. Anscheinend war nochmals ein Erdrutsch herunter gekommen und die Straße nun komplett nicht befahrbar. Also wendeten wir und fuhren die ganze Strecke auf den holprigen Wegen wieder nach oben - gute Gelegenheit, um alles was wir auf der Hinfahrt gelernt hatten, Revue passieren zu lassen und einige Wiederholungsaktionen einzulegen: Frailejones wachsen 1 cm im Jahr, auf der Stierfarm am Wegesrand werden Stiere für die Arena gezüchtet ohne Kontakt mit Menschen damit sie wilder sind …

Unterdessen wurde organisiert, dass 2 Jeeps auf uns warteten, die uns die unwegsame Schlaglochstrecke hinunter bringen sollten - die einzige Möglichkeit vom Berg herunter zu kommen. Immerhin kamen wir so noch zu einem Zwischenstopp bei den heißen Thermalquellen, wo wir unsere müden Glieder lockern und im warmen Wasser relaxen konnten. Wellness-Programm mit viventura!

Für die Weiterfahrt gab Alex pro Jeep ein Fläschchen Rum aus, um sich für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Im Konvoi (Jeep-Bus-Jeep) quälten wir uns Meter für Meter den steilen Matsch-Schlaglochweg hinunter. Die Musik war gut, der Rum auch und das Anschiebe-Abschleppprogramm war ebenfalls recht unterhaltsam. Müde und erschöpft stolperten wir um halb zwölf in die Kaffeehacienda, sogar zu fertig um zu essen …

06 Dez. 2005 • Armenia - Pereira

Der Steuermann auf dem Floss
Valle Cocora

Wachspalmen im Regen / Floßfahrt bei Sonnenschein

Gleich nach dem Frühstück hatten wir die Gelegenheit, mehr über den Kaffeeanbau auf unserer Hacienda zu lernen. Von der Aufzucht der Kaffeepflanze bis zur Ernte der Kaffeekirschen, dem Trocknen und Rösten der Bohnen sahen wir die verschiedenen Stadien. Bei unserem Rundgang durch die Hügellandschaft sahen wir auch verschiedene andere Tropenpflanzen mit exotischen Blüten. Begleitet wurden wir von dem etwas tolpatschigen und verwirrten Hacienda-Hund, der zwischendurch öfter mal auf die Hundeschnauze fiel. Nach einer kleine Kaffeekostprobe bekamen wir ein Zertifikat unserer Finca "El Guayabal" - somit sind wir jetzt also allesamt echte Kaffeekenner, oder sollten es zumindest theoretisch sein…

Dann hieß es auch schon wieder Aufbrechen, denn wir hatten an diesem Tag noch einiges vor (kein Wunder also, dass uns erst abends auffiel, dass ja Nikolaustag war). Nach einiger Fahrtzeit und zur Abwechslung mal wieder etwas holpriger Piste erreichten wir das Cocora-Tal. Hier wächst die Wachspalme, die bis zu 80 m hoch werden kann und deren Früchte zur Wachsgewinnung benutzt werden. Doch kaum stiegen wir inmitten der wunderschönen Berglandschaft aus unserem Bus, um einen kleinen Spaziergang ins Tal zu unternehmen, goss es mal wieder aus Kübeln. Also blieb uns nichts anderes übrig, als das Tal und den Nationalbaum Kolumbiens schnellstmöglich hinter uns zu lassen und der Sonne entgegen zu fahren. Denn wie Rene telefonisch abklärte, war am Rio Viejo, wo wir zu einer Floßfahrt aufbrechen sollten, das Wetter besser.

Ausgestattet mit Schwimmwesten nahmen wir also Platz auf den Sitzbänkchen der bequemen Bambusfloße. Gemütlich trieben wir die braunen Fluten entlang, beobachtet von Kühen und Vögeln. Da der Fluss aufgrund des vielen Regens reichlich Wasser führte, kamen wir flott voran. Unsere Guides überraschten uns mit einem Picknick am Fluss. Inmitten von Kuhfladen gab es Tamales - in Bananenblättern gekochtes Hähnchen, Reis und Kartoffeln. Nachdem der Hunger gestillt war - wir mussten ja auch lange genug auf unser "Nachmittagsessen" warten - trieben wir weiter dem Sonnenuntergang entgegen und passierten dabei kleinere Stromschnellen und Bäume, auf denen sich Reiher zum Schlafen versammelt hatten. An der Anlegestelle wurden wir bereits von unserem Busfahrer erwartet, der nach der schlechten Wegstrecke im Cocora-Tal (besser bekannt als "Tal des Regens") auch noch einen Reifen hatte wechseln müssen.

Spät kamen wir in der Kaffeefinca in der Nähe von Armenia an. Besonders angetan waren wir von der herrlich-rustikal mit Hängematten, Sitzgruppen und "Baumquerschnitt"-Tischen eingerichteten Finca. Unter dem erneuten Motto "Wellness mit viventura" nahmen wir das Angebot, den Whirlpool einzulassen, gerne an. Die zweistündige Wartezeit verkürzte uns ein TetraPaekchen Rum. Als wir gegen halb elf endlich in das Sprudelbecken plumsen konnten, war die Temperatur so angenehm aufgeheizt, dass wir es gut etwas länger darin aushalten konnten und fast gar nicht mehr ins Bett wollten…

07 Dez. 2005 • Rivera - Pereira

Papagei
Überholmanöver in La Liniea

Wettlauf um den Sonnenuntergang in der Wueste

Früh versammelten wir uns, um zu frühstücken - die Wartezeit auf Kochbananen und Maisfladen vom Holzkohlegrill nutzten wir, um die Kaffeehacienda mal im Hellen zu erkunden. Vom palmengedeckten Frühstückspavillon konnte man recht weit sehen - grüne Plantagen so weit das Auge reicht. Besonders unterhaltsam waren die Papageien, mit ihrem bunt schillernden Gefieder saßen und kletterten sie auf ihrem Baum im Garten auf und ab und brachten uns spanisch bei: "Quieres Kakao?" Nach etwas Training klappte es auch schon auf deutsch: "Hallo."

Leider kamen wir erst spät los, zuvor gab es noch einige professionelle Reparaturaktionen an der Schaltung unseres treuen Buses, der kurzzeitig ohne fünften und ohne Rückwärtsgang auskommen musste.

Heute stand uns eine lange Fahrt bevor. Ziel: Die Tatacoa-Wüste. Doch zuvor stand noch die Überquerung des Bergpasses "La Linea" an. Bis auf die Höhe von 3.300 m schlängelt sich die Straße empor. Berühmt-berüchtigt ist die Strecke durch die halsbrecherischen Seifenkistenfahrten, die Kinder auf sich nehmen, z.B. um liegengebliebene LKWs mit Ersatzteilen zu versorgen. Bergauf hängen sie sich an fahrende Autos oder Lastwagen und lassen sich ziehen. Trotz der engen Kurven der Straße starten die Fahrer fortwährend riskante Überholmanöver, so dass auf einmal Fahrzeuge rechts und links neben einem auftauchen können und die Straße auf bis zu 4 Spuren "erweitert" wird. Deswegen postieren sich in den unübersichtlichen Kurven oft Helfer, die per Handzeichen signalisieren, ob die Strecke frei ist. Genauso wie den Seifenkisten-Kinder geben ihnen die Fahrer Geld - daher auch der Name "Monedas" (Kleingeld), denn die armen Leute leben von diesen Dienstleistungen.

Nur langsam kamen wir vorwärts, denn an vielen Stellen staute sich der Verkehr wegen Straßenarbeitern und Baustellen. Eine weitere Verzögerung brachte eine nochmalige Busreparatur mit sich. Die Bremszylinderdichtung (oder so ähnlich) musste ausgetauscht werden, Hilfe von einem Mechaniker war sofort zur Stelle, währenddessen wurden wir von Straßenhändlern umworben und konnten uns mit Grenadillas, Getränken und Knabberzeug eindecken. Das Ganze war natürlich auch eine willkommene Abwechslung für den Militärposten. Durch die Verspätung wurde die Zeit immer knapper, um die Tatacoa noch rechtzeitig zu erreichen und den spektakulären Sonnenuntergang in der Wüste zu erleben. Eine kurze Mittagspause musste daher genügen, dann ging die Fahrt weiter vorbei an abwechslungsreichen Landschaften, Mangobäume wechselten sich mit Reisfeldern ab. Rechts und links der Straße waren die Bergzüge der mittleren und der Ostkordillere zu sehen.

Schon den ganzen Tag über beäugten wir unser auf dem Dach festgezurrtes Gepäck, die Plane flatterte und es sah alles andere als sicher aus. Und wie es kommen musste, verabschiedete sich tatsächlich ein Gepäckstück bei voller Fahrt nach unten, Thomas Rucksack landete unsanft auf dem Asphalt. Zum Glück merkten wir es gleich, nach einer Wendeaktion und dem erneuten Festschnüren der Koffer und Taschen konnte es endlich weiter gehen.

Die Zeit wurde immer knapper, die Sonne stand bereits tief am Himmel. Doch wie sich herausstellte, war die Motiviation unseres Busfahrers hoch, er wollte die Wüste ebenfalls noch im Hellen sehen und so gab er sein Bestes und nutzte die Fahrt auch gleichzeitig zum Videodreh. Und wirklich: Wir schafften es gerade noch mit den letzten Strahlen aus der Bustür zu steigen, leider schoben sich jedoch ein paar Wölkchen vor die Sonne. Im Zeitalter des Pilozaen war die Tatacoa Teil eines Meeres und von prähistorischen Tieren bevölkert. Der Name Tatacoa stammt von den Indianern und bedeutet "Schlange". Von oben konnte man die von Gräben und Kanälen durchzogene Landschaft in ihren Rottönen gut überblicken. Vor dem Abstieg lernten wir einen Kugelkaktus mit pinkfarbenen Blüten und pinkfarbenen Früchten kennen, deren Form einer Chilischote ähnelte. Daraus wird Marmelade gewonnnen, die Früchte könne aber auch einfach so gegessen werden und schmecken misslich wie Birnen.

Eine kleine Nachtwanderung durch den ausgewaschenen Canyon fuehrte uns wieder nach oben, wo wir die nahe gelegene Sternwarte besuchten. Vom Dach aus konnten wir in der klaren Nacht verschiedene Sternbilder erkennen. Unterwegs assen wir noch lecker gegrilltes Fleisch in verschiedenen Variationen. Gegen 23.30 bezogen wir unser Hotel in Rivera und genehmigten uns noch einen kleinen Rum-Absacker…

08 Dez. 2005 • Salento - San Agustin

Ambulanter Mechaniker bei Autopanne
Ritualplatz der San Agustinkultur

Archäologischer Park im Dauerregen

Nach einer ca. vierstündigen Fahrt kamen wir in San Agustin an, wo wir auf Renes Finca in lustigen Cabanas untergebracht wurden. Am Nachmittag versuchten wir den archäologischen Park von San Agustin zu besuchen - doch der starke Regen schränkte das sehr ein…

Die im archäologischen Park aufgestellten Skulpturen zeugen von einer hochentwickelten Kultur und sind sehr sehenswert - wenn sie nicht gerade im Regen versinken. Kaum waren wir auf dem Rundweg durch den Park, erlebten wir wieder ein uns bereits bekanntes Phänomen: ein Wolkenbruch zwang uns zum Unterstehen. Einen Schuldigen haben wir ja schon seit längerer Zeit ausgemacht: Der selbst ernannte Regengott Thomas G. :-)

Doch als der Regen nach einiger Zeit immer noch nicht nachließ, schlurften wir eben schicksalsergeben weiter, die Tour fiel allerdings etwas kürzer aus. Zurück in Renes Finca legten wir uns erst einmal trocken und wärmten uns am Kaminfeuer.

09 Dez. 2005 • Rivera

Chaquira archeologischer Ort in San Agustin
Fotografieren muss doch beim Reiten auch sein

Schneller Ritt

Wir konnten direkt mal etwas länger schlafen, dann wurden wir von unseren Gaucho-Guides mitsamt Pferden an der Finca abgeholt. Die durch Montezumas Rache leicht dezimierte Gruppe brach zu einem abenteuerlichen Ritt zu verschiedenen Ausgrabungsstellen und zum Aussichtspunkt "La Chaquira" auf, von wo man einen wunderschönen Ausblick auf den Rio Magdalena und 2 Wasserfälle hatte …

Schon nach kurzer Zeit fühlten wir uns etwas sicherer im Sattel und das Tempo zog an. Schritt war eher selten angesagt, in Trab, Galopp und Paso Fino (Toelt) ging es bergauf und bergab inmitten der wunderschönen Landschaft. Halt machten wir an verschiedenen Statuen und Grabstätten, diese waren z.T. neueren Ursprungs - die Handwerkstechniken waren ausgefeilter und die Statuen mit Pflanzen- und Mineralienfarben bemalt. Weitere Stationen waren eine Zuckerrohrpresse und - nach Wochen endlich mal - ein echter Coca-Strauch. Bei "La Chaquira" (nein, nicht die Sängerin…) stiegen wir von den Pferden und legten ein kleines Stück zu Fuß zurück. Belohnung: eine herrliche Aussicht auf den tief unter uns in der Schlucht dahin fließenden Rio Magdalena und 2 Wasserfälle auf der gegenüberliegenden Seite des Berges. Leider gab es auf dem Rückweg noch einen kleinen Zwischenfall: Der Sattelgurt eines Pferdes löste sich und Marion landete unsanft auf dem Rücken im Graben.

Doch nachdem der erste Schreck überwunden war, ging es weiter zurück zur Finca, wo auch unsere Magen-Darm-Geschädigten bereits warteten. Der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung, Internet-Cafe, Bummeln durch San Agustin oder Auskurieren der Wehwehchen …

Am Abend kam dann noch der junge Mann vorbei, den wir bei La Chaquira getroffen hatten, und präsentierte seine selbst gemachten Steinfiguren. Einige davon werden nun das Gepäck mancher Gruppenmitglieder um einiges schwerer machen …

10 Dez. 2005 • Taganga - San Agustin

Ernst in seiner Meditation
Das Fischerdorf Taganga

Auf zur Karibikküste!

Schon früh mussten wir aus den Federn, um das Flugzeug im 4h entfernten Neiva zu erreichen. Noch schlaftrunken rutschte Pechvogel Marion im Badezimmer aus und knallte wieder mit dem Rücken auf die Treppe - ein Unglück kommt selten allen. Und es gab weitere schlechte Nachrichten für das Invalidenheim: Der Bus schaffte es nicht die letzten Meter des steilen Berg zu unserer Finca hinauf und so mussten wir unser Gepäck in der Dunkelheit hinunter schaffen. Alle waren froh, als wir endlich im Bus saßen.

Auf dem Weg zum Flughafen machten wir noch einen Zwischenstopp: Thomas G., auch bekannt als Orchideen-Thomas oder einfach "Der Regengott", kaufte wieder mal einige Orchideen und die Sonne schien :-)

Von Neiva flogen wir dann nach Bogota, wo wir einige Stunden Aufenthalt hatten und schließlich nach Santa Marta. Da wir etwas Verspätung hatten, kamen wir gerade noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang an den Strand vor dem Flughafengebäude. Erwartet wurden wir bereits von einer Chiva samt 2 hoch motivierten Mitklatsch-Animateurinnen. Das Gepäck kam mal wieder aufs Dach, wir dichtgedraengt in die Sitzreihen gequetscht und schon ging es mit ohrenbetaeuebender Vallenato- und Reggae-Musik am Touri-Strand El Rodadero vorbei bis zum Fischerdorf Taganga.

Nachdem wir im Casa de Felipe eingecheckt hatten, warteten wir in einer Strandkneipe auf unser Essen - geht ja alles etwas langsamer hier, schließlich war die halbe Küchenmannschaft einfach nach Hause gegangen. Obwohl es Samstag Abend war, waren alle ziemlich erledigt und trollten sich bald ins Bett…

11 Dez. 2005 • San Agustin

Unser Kokosnuss- und Palmenkiller
Kokosnuesse unsere Tagesbeute

Stranderholung

Der Morgen begann mit einem Schrecken: Marions Kamera war in der Nacht durch das offene vergitterte Fenster aus der Ladestation geklaut worden, während sie daneben immer noch reichlich lädiert schlief. Da das Hotelgelände abgeschlossen ist, kann es eigentlich nur einer der Gäste gewesen sein. Ein Gang zur Polizeistation von Taganga blieb ergebnislos, schließlich war ja Sonntag und außerdem musste auch noch die Weihnachtsbeleuchtung befestigt werden. Also müssen wir nach dem Tayrona-Ausflug in Santa Marta zur Polizei.

Nach all der Aufregung brachen wir verspätet mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Tayrona-Nationalpark auf. Einige Busse später begann schließlich die Wanderung durch den Dschungel auf matschigen und steinigen Pfaden. Verschwitzt gelangten wir in Arrecife an und bezogen die palmengedeckten Cabanas. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, badeten und erholten uns. Vor dem Abendessen knackten die Jungs noch einige Kokosnüsse und als Aperitiv gab es noch ein Becherchen Rum. Später am Abend saßen wir noch gemütlich tratschend auf der Terrasse bzw. nach Verlängerung am Strand Sterne gucken.

12 Dez. 2005 • Tayrona-Nationalpark - Taganga

Auf der Suche ¨die verlorenen Orchideen¨
Ziel erreicht.. das Pueblito im Taironapark

Authentische Erlebnisse

Während der Großteil der Gruppe sich schon früh aufmachte, um nach El Pueblito, einem alten Indianerdorf zu wandern, schlief der Rest erst einmal aus und verbrachte den Vormittag gemütlich am Strand. Die Wanderer mühten sich währenddessen auf den steilen Dschungelpfaden und durch kleine Bäche watend bergauf. Verschwitzt kamen sie zur Mittagszeit wieder in Arrecife an, und wir trafen uns zum Essen - bedient von der weltbesten und motiviertesten Kellnerin. Der einsetzende Regen erleichterte uns den Abschied von unseren Strand-Cabanas und wir wanderten zurück zum Park-Eingang, wo wir den Bus nahmen.

Mitsamt Gepäck quetschten wir uns in den voll besetzten bzw. mit Maissäcken beladenen Bus, wurden ab und an umgesetzt oder mussten uns bei Kontrollen ducken. Pech für den Busfahrer, die Übersetzung wurde dennoch bemerkt und war bestimmt nicht billig für ihn ;-)

In Santa Marta angekommen, machten sich die meisten gleich auf den Rückweg nach Taganga, während Rene, Ilona und Marion noch wegen der Kamera auf der Polizeistation vorbei wollten und noch einige Besorgungen für den Abend machen mussten. Da Vera Geburtstag hatte, machten wir uns auf die Suche nach einigen Kleinigkeiten und Rene erstand Mitbringsel für daheim.

Etwas langer dauerte der Bericht auf der Polizeistation - erst wollten sie den Fall gar nicht bearbeiten und zierten sich etwas, nach längerer Wartezeit auf dem Bürgersteig vor dem Eingang ließ man uns endlich doch noch rein und nahm den Bericht auf und es gab einen schicken Wisch mit Unterschrift. Bleibt zu hoffen, dass das bei der Versicherung weiterhilft …

Nachdem sich alle im Casa de Felipe kurz restaurieren konnten und noch einen Happen im Dorf zu sich nahmen, feierten wir endlich Veras Geburstag mit Torte und einem Gläschen Sekt. Erdbeeren zur Herstellung von "Erdbeerinsekt" hatten wir leider nicht mehr bekommen :-)

13 Dez. 2005 • Tayrona-Nationalpark - Cartagena

Ist doch was seltsames dieser Schlamm
Stadtrundfahrt von St. Martha im Chivabus

Tageshöhepunkt: Schlamm-Wellness im Vulkan

Nach dem Frühstück holte uns wieder die Chiva ab und brachte uns nach Santa Marta, wo wir bei der Stadtrundfahrt das rege Leben in den Gassen und Geschäften miterlebten. Ein kurzer Stopp bei der Strandpromenade, dann ging es auch schon ins Tayrona-Museum an der Plaza Bolivar, wo wir mehr über die Indianer-Kulturen, wie z.B. die Ciudad Perdida, erfahren konnten. Vom Busbahnhof aus nahmen wir dann einen öffentlichen Bus nach Cartagena. Die Strecke führte an Barranquilla vorbei, Shakiras Heimatstadt und einer der größten Häfen Südamerikas. In Cartagena angelangt, mussten wir für den Weg zum Hotel erst einmal Taxifahrer finden, denen das nicht zu viel Arbeit war - keine leichte Aufgabe ;-)

Unser Hotel befindet sich in einem der bunten Kolonialhäuschen direkt in den malerischen Gassen der Altstadt, zum Abschluss logieren wir hier richtig luxuriös. Wir wechselten nur kurz die Klamotten, dann holte uns auch schon ein gut klimatisierter Bus ab, unterwegs wurde der größte Hunger mit Hamburgern und Hot Dogs gestillt bevor wir weiter fuhren zum Vulkan Totumo.

Dort angekommen staunten wir nicht schlecht angesichts des Vulkankegelchens, eine steile Holztreppe führte nach oben zum Schlammloch - angeblich soll der Schlamm heilende Wirkung haben. Und so stiegen wir einer nach dem anderen nach oben und ließen uns in die dunkle Brühe gleiten. Jeder Neuankömmling wurde von den Masseuren an den Füßen gepackt und Seite an Seite "eingeparkt". Aufgrund der Dichte des Schlammes treibt man an der Oberfläche und fühlt sich wie schwerelos. Reihe um wurden wir durchgeknetet, geschüttelt und massiert oder mit einem Platschen auf den Bauch gedreht - Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh. Kaum hatten wir den rutschigen Abstieg geschafft, wurden wir auf besondere Art des Schlamms entledigt. Wie wird hier nicht verraten, damit auch zukünftige viventura-Gruppen ihren Spaß damit haben… :-)

Zurück in Cartagena trafen wir uns zu einem leckeren Abendessen mit kleinen Hindernissen. Auf so großen Andrang war man wohl nicht gefasst und innerhalb kürzester Zeit waren die letzten Vorräte geplündert: Aguila-Bier, Ananassaft, Coca Cola, Gläser, Ragout gab es maximal für 2 Personen und fürs Lomo Fino wurde extra nochmal ein Fahrradbote losgeschickt. Aber geschmeckt hat es bestens!

Cartagena bei Nacht - nach einem kleinen Rundgang durch die Altstadtgassen genehmigten wir uns noch einen überteuerten Cocktail in der Schicki-Micki-Bar auf der Festungsmauer im Mondschein.

14 Dez. 2005 • Santa Marta

Die wilde Hilde zeigt uns Cartagena
Typischer Platz inder Altstadt Cartagenas

Stadttour Cartagena

Wir genossen das Frühstück - ohne Ei, Maisfladen und Kochbananen. Statt dessen frisches Obst und Toast, so kann man es aushalten. Mit der "wilden Hilde" entdeckten und eroberten wir dann die Altstadtgassen Cartagenas und spähten in die grünen, schattigen Innenhöfe der Kolonialhäuser während Hilde aus ihrem reichen Geschichten- und Erfahrungsschatz plauderte. Zum Mittagessen fielen wir bei "Crepes & Wafles" ein, der Mittag stand dann zur freien Verfügung, um die Stadt, die Unesco-Weltkulturerbe ist, auf eigene Faust zu erkunden.

Erst am Nachmittag trafen wir uns wieder alle im Hotel, um gemeinsam zum Fort San Felipe de Barajas zu fahren, das das Stadtbild beherrscht. Nachdem wir uns durch die Horden der Strassenverkäufer gekämpft hatten, stiegen wir die Festung hinauf, begleitet von den reichlich schrägen Tönen eines einsamen Trompeters. Oben angekommen warteten wir auf den Sonnenuntergang - unten in den Straßen wimmelte es hektisch und lebhaft, doch die alten, dicken Mauern des Forts strahlten Ruhe aus, nur die übergroße kolumbianische Flagge flatterte im Wind. Von hier hatten wir eine herrliche Aussicht auf Cartagena und die Umgebung, die wir in uns aufsogen, bis die Sonne im Meer versank.

Auf dem weg nach unten stolperten wir durch die dunklen Gänge der Kassematten, die durch ein ausgeklügeltes Tunnel- und Wegesystem verbunden sind. In der Dämmerung verabschiedeten wir uns von der beleuchteten Festung und fuhren auf verschlungenen Taxipfaden zum Hotel zurück.

Abendessen gab es nochmals im Restaurant vom Vorabend, wo wir wieder superlecker bekocht wurden. Danach nahmen Ilona und Jörg gepflegt Cocktails auf der Stadtmauer zu sich, während Rene, Thomas & Thomas, Stephan und Marion authentisch mit einigen Fläschchen Rum auf der Plaza San Diego saßen und die bunte Treiben beobachteten.

15 Dez. 2005 • Cartagena

Beim Sonnenuntergang auf der Festungsmauer
Mister Babilla einer der vielen Tanzschuppen

Schnorcheln und Shoppen

Heute konnte jeder tun und lassen, was er wollte. Ivo, Ernst, Vera und Jörg fuhren mit dem Boot zu den Islas del Rosario. Die Inselgruppe ist zum Nationalpark erklärt worden und von Korallenriffen umgeben. Dabei konnte dann die Gelegenheit genutzt werden, um Schnorcheln zu gehen und die farbige Unterwasserwelt der Karibikküste kennen zu lernen. Der Rest der Gruppe vertrieb sich die Zeit in Cartagena, schlenderte durch die Gassen oder betrieb Power-Shopping - schließlich ist ja auch bald Weihnachten.

Am Abend trafen wir uns zum Abschiedsessen, unterwegs zum Lokal gab eine karibische Trommel- und Tanztruppe auf einer Plaza eine Open-Air-Vorstellung (sicherlich extra für uns arrangiert…).

Für das Abschiedsessen hatte Rene ein besonders schönes Plätzchen ausgesucht: Direkt gegenüber einer schön beleuchteten Kirche speisten wir und blickten etwas wehmütig auf die letzten 3 Wochen in Kolumbien zurück. Eine Plaza weiter feierten wir dann nochmals mit Rum Abschied, bevor sich die Gruppe dann teilte und entweder ins Hotel, eine Bar auf der Festungsmauer oder in die Disco ging. Die letzten waren irgendwann nach 3 Uhr im Hotel und fielen in die Betten.

16 Dez. 2005 • Cartagena

Auf der Rueckreise; Europa ruft
Das letzte Gruppenfoto vor der Trennung

Der Abschied

Unser letztes Frühstück in Kolumbien!!!
Nachdem die letzten Sachen eingepackt waren, ging es an den Abschied. Als erstes mussten Ilona, Jörg und Marion los - sie verbringen noch eine Woche auf den Karibikinseln San Andres und Providencia. Die anderen hatten noch eine kleine Gnadenfrist bis sie ebenfalls zum Flughafen mussten. Von Bogota aus fliegen Vera und Jörg nach Lima und setzen ihre Weltreise in Peru und Bolivien fort. Die anderen flogen mit Air France oder Iberia nach Hause.

Wunderschöne, erlebnisreiche drei Wochen sind viel zu schnell vergangen. Bestimmt werden wir noch oft daran zurück denken! Vielen Dank an Rene und viventura!!!