Reisebericht

Hier können Sie sehen, was unsere Reisenden auf ihrer Reise erlebt haben.

13 Aug. 2010 • Frankfurt - Bogota

Mit den Quenteros - total super!
Bei strahlendem Sonnenschein gelandet!

Angekommen!

Um den Jetlag für den morgigen Tag auf die Spitze zu treiben, mussten wir schon um 5 Uhr morgens mit dem Taxi los. München Airport 7.20 h - Madrid 12.30 h - um 16.30 h Ortszeit Bogota, kamen wir an. Samt allem Gepäck! Über Iberia können wir also nicht meckern!

Nicole holte uns zusammen mit Miguel am Flughafen ab… und rein ging es in die Rushhour von der Millionenstadt, auf dem Bergrücken blinkte strahlend-weiß die Silhouette von Monserrate.

Bevor es um 18 Uhr dunkel wurde, spazierten wir durch das alte Stadtviertel La Candelaria, wo die Jugend den Wochenendbeginn auf der Straße und in den hunderten Kneipen feierte.

Hoch über dem Chorro de Quevedo probierten wir alle Säfte (Jugo de …) durch, zum Abendessen waren wir planmäßig im Crepes & Waffles, akustisch mit dem Charme einer Bahnhofshalle - aber wir unterstützten damit alleinerziehende Mütter, die hier erfolgreich wirtschaften: der Keller war voll!

… und wir ziemlich müde - mit Tanzbein schwingen war nix!

14 Aug. 2010 • Bogota

Mit den Kindern von Exito Verde hatten wir viel Sp
Wirklich wahr - T-Shirt gegen Smaragd!

Tag der Smaragde

War die Kirche von Monserrate gestern noch im strahlenden Sonnenschein, heute war sie von grauen Wolken bedeckt, samt dem dazugehörigen Regen. Die geplante morgendliche Gipfeltour fiel also sprichwörtlich ins Wasser.

Dafür hatten wir Zeit für ein gemütliches Frühstück in unserer Quinta Bolivar, bevor wir dem Goldmuseum einen ausführlichen Besuch abstatteten. Besonders beeindruckt hat uns die Lightshow im runden Raum, wo im 5 Minuten-Takt achttausend Goldkunstwerke unter archaischen Klängen symbolisch in der Lagune versenkt werden.

Passend dazu das Floß des Sonnenpriesters (Balsa Muisca), eine faszinierend, kunstgefertigte Miniatur der alten indianischen Opferkultur – die Legende um den El Dorado.

Nach 90 Minuten Gold auf 3 Etagen waren wir gesättigt. Wo Gold ist, sind Smaragde nicht weit. Auf dem Vorplatz der Fransiskaner-Kirche (Altar aus Gold, was sonst) wurden wir von zahllosen selbsternannten Händlern mit den grünen Steinchen bedrängt.

Ludwig opferte zwar nicht sein letztes Hemd, aber ein Olympia-T-Shirt und reaktivierte damit den Tauschhandel … und präsentierte seinen Astral-Body der Öffentlichkeit – und der Sonne! Die war zurück gekehrt und ermöglichte uns den Spaziergang durch die Altstadt und die Bergtour auf den Monserrate. Der Ausblick auf die 8-Millionenstadt in ihrer Ausbreitung von über 50 Kilometern ist schon sehr schön.

Weniger toll die Staus auf den Straßen (samstags dürfen alle Autos fahren!), die unseren Weg in den Süden der Stadt blockierten. Im viSozial Projekt in Ciudad Bolivar wird mit Exito Verde das Thema Recycling der Bevölkerung nahe gebracht. Nicht nur Naturschutz, auch „Verdienstmöglichkeit“.

Auch kleine Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen werden betreut, und lernen Grundkenntnisse über Menschenwürde und Rechte der Kinder. Bei der Präsentation waren sie noch schüchtern, beim (Fußball-)Spielen taute aber rasch das Eis, und zum Schluss waren unsere Jungs von kleinen Mädchen wie von Kletten (positiv gemeint) übersät. Zahlreiche Fotos wurden geschossen, vor allem von den Kindern, die uns fotografieren wollten.

Über desolate Straßen schrammte unser Kleinbus zurück in noblere Stadtviertel – ins Restaurant Andres Carne de Res. Dort feiern die Schönen und Reichen (die gibt’s auch in Bogota!) ab. Edles Ambiente, tolle Steaks, exaltiertes Publikum, wie im Karneval, und Musiker, die jeden Quadratmeter zum Tanzen ausnutzen.

15 Aug. 2010 • Bogota - Villa de Leyva

Auf die Plätze, fertig - los!
Für Clemens Patienten ;-)

Sportlicher Sonntag

Der Jetlag lässt einen immer noch früh aufwachen, aber strahlend blauer Himmel trieb uns heute beim Frühstück an.

Candelaria kennen wir jetzt schon gut, immerhin hatten wir noch keine Fotos mit Morgensonne. Am Plaza de Bolivar, direkt vor der Kathedrale, warteten schon unsere Bikes. Sonntagvormittag wird Radfahrern eine breite Fahrspur eingeräumt, ein neues Bogota-Feeling.

Ebenso nachahmenswert wäre für uns daheim der kollektive Frühsport, an dem wir FAST alle teilnahmen, zumindest am Aerobic. Beim Rumba waren nur noch Anna und Nicole auf dem Packet, neben jung und (sehr) alt – Sport hält jung!

Mittags trafen wir an einem Künstlermarkt ein, wo die Jugend erwartungsgemäß dem Essen-Gehen (Stickwort Fleisch-Exzess) den Vorzug gab.

Mit Halskettchen und Armbändern ausgestattet starteten wir mit dem Bus Richtung Villa de Leyva, begleitet von Regentropfen auf der Frontscheibe und permanenten Plaudergeräsuchen von Ludwig aus dem Heck des Wagens. Es wurde schon dunkel, als wir in Villa de Leyva ankommen. Den Abend verbrachten wir auf dem Plaza Mayor, dem größten freien Platz in einer kolumbianischen Stadt. Die 14.000 Quadratmeter waren gut gefüllt mit Coca Cola Banden und tausenden Leuten, die Drachen steigen und den Feiertag ausklingen ließen.

Nach dem Fondue Essen im Cocina de la Gata stolperten wir über das grobe Kopfsteinpflaster zurück ins Hotel.

16 Aug. 2010 • Villa de Leyva

Hoch zu Ross
Jippiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

Georg auf Abwegen

Die Schönheit unseres Hotels Beth Sarim wird im Wesentlichen durch den Innenhof bestimmt, der doppelstöckig von zahllosen Pflanzen und Blumen geschmückt ist. Morgensonne lässt mit den Licht- und Schattenspielen alles noch besser zur Geltung bringen. Traumhaft!

Zum Frühstück gabs „pericos“ (Rührei mit Zwiebeln und Tomaten), sowie Arepas (Maisfladen mit oder ohne Käse). Derart gestärkt schwangen wir uns auf den Rücken der Pferde. Der autonomste Hengst galoppierte, mit dem armen George im Sattel, gleich einmal in die falsche Richtung, konnte aber schnell wieder eingefangen werden und musste zur Strafe ab sofort unter unserem Exkursionsleiter dienen. Alle anderen Gäule aber waren lammfromm, sie sind ahnungslose Touristen an den Zügeln gewohnt.

Nach einer Stunde war Badestopp an einem Tümpel. Nur Konsti und Ludwig wagten sich bei heftigem Wind ins kühle Nass und wurden durch dutzende von „geilen“ Sprungfotos belohnt, die demnächst daheim ihre Zimmerwände zieren werden. Zum Abschluss unserer Tour auf dem Pferderücken wurden unsere verlängerten Rücken noch durch eine Galoppeinlage belastet – hat jede Menge Spaß gemacht. Die Jungs wollten lieber zurück reiten und gar nicht mehr ins Museum El Fossil, wo 11 Millionen Jahre alte Saurierknochen ausgestellt sind.

Zum typischen "corrientazo" (Mittagessen) gingen wir danach in´s Restaurant Casa Blanca, wo unsere Nicole mit allerlei Tricks einen freien Tisch in dem überfüllten Lokal erkämpfen konnte. Satt werden für 7800 Pesos (ca. 3 Euro) – auch das ist Kolumbien.

Am Nachmittag schlenderten die Jungs durch die Kopfsteinpflastergassen, die Damen gingen mehrheitlich zum Shoppen, und eine 3-köpfige Bildungsreisenden-Fraktion stattete dem Sterbehaus von Narino (Freiheitskämpfer um 1800) und dem Wohnhaus des Künstlers Acuna (gestorben 1993) einen Besuch ab.

Bei tief stehender Sonne war der Plaza Mayor mit all den bunten Drachen das richtige Ambiente für einen Cafe con leche. Zum Abendessen im Restaurant Antigua kam zum ersten Mal null Alkohol auf den Tisch – dank dem Kopfweh durch Sonne und Wind.

17 Aug. 2010 • Bogota - Villa de Leyva

Chichipato este caminito!
Ein neues Liebespaar?

Wo ist Nicole?

Frühstück um 7.30 Uhr – zunächst ohne Nicole. Sie war aber dann sehr fix….

Bei strahlendem Sonnenschein brachte uns unser Guide Raul, in Gummistiefeln ausgerüstet, zum berühmt berüchtigten Paso de Angel, einer zugegebener Weise sehr schmalen Gradwanderung, die aber an der engsten Stelle nur 2 Meter lang ist. Drunten (das heißt 100 Meter tiefer) rauschten links und rechts die Wildbäche. Nur Geli zögerte kurz…

Am Ende des Grades stiegen wir zu den Wasserfällen ab, um im Schatten zu relaxen und Fotos zu machen. Raul war dankbar für jede Minute hinter einer Spiegelreflex. Die Wanderung am Fluss entlang zurück entfiel wegen dem hohen Wasserstand.

Vor der Mittagshitze waren wir schon wieder im Bus – und ab gings Richtung Süden. In einem kleinen Ort stoppten wir zur Mittagspause an einem Straßenlokal, das ruckzuck einen zwölfer Tisch aufbaute, um uns mit der typischen Grillplatte (Würstel, Fleisch, Kartoffeln, Yucca und Banane) zu verköstigen. Nebenbei konnten wir die Produktion der langen Bratwurst Longaniza beobachten, bzw. wie sie blass auf die Wurstständer gehängt wird und dann schön rot wird – quasi ein Sonnenbrand?

Schon später Nachmittag war es, als wir in Zipaquira eintrafen, bei der berühmten Salzkathedrale. Die frühere Salzkirche der Minenarbeiter war baufällig geworden – so wurde 1995 flugs eine neue, diesmal monströse, Kathedrale in den Salzberg gedrechselt. Eine Touristenhochburg, aber durchaus beeindruckend von Größe (die größte der Welt) und von der Idee (mit Kreuzgang und viel indirekter Beleuchtung – Kreuz!).

Am Abend hatten wir noch mal das zweifelhafte Vergnügen mit der Rushhour von Bogota und das wahrhaftige Vergnügen, in einem klitzekleinen Restaurant einen Ajiaco (typische Suppe aus 3 verschiedenen Kartoffelsorten, Mais, Hühnchen, Sahne und Kapern) vorgesetzt zu bekommen. Zum Nachtisch gab´s Apfelkuchen oder Postre de Quinua (Getreidemilchbrei mit Zimt und Zucker) – lecker! Sauguuuuuuuuut!

18 Aug. 2010 • Nuqui - Bogota

Cascada de Amor
Gut gelandet

Ab in den Dschungel

Wecken um 3:45 Uhr! Weil David uns um 4.10 Uhr abholen wollte. Er wollte. Doch dann hatten wir noch Zeit zum Frühstücken. Mit halbstündiger Verspätung rasten wir durch die fast leeren Straßen Bogotas, rote Ampeln verloren ihre Bedeutung.

Im Flughafen lotste uns Nicole an der 500 Meter langen Menschenschlange vor der Sicherheitskontrolle vorbei – ihrem Charme konnte niemand widerstehen. All die Hetze war umsonst, wir hoben mit einer Stunde Verspätung ab – Richtung Medellin. Ab dort wurde es spannend: mit der 19-sitzigen Propeller-Maschine (Twin Otter) gings über den Urwald (Tankstop in Quibdo) nach Nuqui an der Pazifikküste.

Ab sofort gibt es nur noch farbige Kolumbianer. Bei der Bootsfahrt zur Ökolodge El Cantil bekamen wir jede Menge Gischt ab. Halb nass kamen wir an – Nicole ist gegen halbe Sachen und ging in voller Montur baden, leider samt Bauchbeutel: Sie muss den Begriff Geldwäsche falsch verstanden haben.

Nach dem Mittagessen, endlich Fisch, machten wir eine kleine Urwaldtour zu einem malerischen Wasserfall. Fotomotive gabs nicht nur dort, sondern auch am Strand (inklusive 3 Urwaldmännern in knapp gehaltenen „historischen Kostümen“). Der Regenbogen, die warmen Pazifikwellen, das Grillen-Zirpen, das geniale Fischgericht – einfach traumhaft. Da störte auch der Regenguss nicht, und dass ein Ehebett zusammenbrach: Gabi schlief einfach quer.

19 Aug. 2010 • Nuqui

Schlamm macht schön!
Unser Mittagessen, ein Klacks - den schaffen wir m

Eigentlich Essen wir nur :-)

Das monotone Rauschen von Regengüssen und Meeresbrandung lässt einen trotz der Lautstärke besser schlafen, als gedacht. Dass man, noch völlig verschlafen, einen Mangococktail auf der Terrasse der eigenen Hütte serviert bekommt – daran könnte man sich gewöhnen.

Auch an die leckeren Fischempanadas, Nicoles Lieblingsspeise, die aber aufgrund ihrer Kruste eine echte Schlankheitskur-Blockade darstellen. Egal, jetzt ist Urlaub – gefastet wird später!

Am Vormittag machten wir mit Pozo (der Spitzname Pfütze stammt aus frühester Kindheit) eine Wanderung am Strand entlang nach Termales, einem kleinen Dorf, das als Hauptattraktion sein Thermalbecken direkt am Flussufer hat. Zuvor besuchten wir noch die zwei Klassen der Dorfschule, die ihr Liedchen durch ein Lied von unserer Seite beantwortet haben wollten.

Auch die tropischen Blumen und Früchte (Tagua-Palme, Affenbürste etc.) konnten uns begeistern, so wie natürlich die kleinen

Oberhalb des Thermalbeckens am Flussufer durchquerten wir noch eine sehr schmale Fledermaushöhle, wo reichlich action herrschte. Nach dem Genuss einiger Kokosnüsse ging´s Heimwärts – zum Mittagessen! Danach war nur kurze Siesta, denn es stand immer noch Walbeobachtung auf dem Programm. Mehrfach wurden wir durch das Prusten der Buckelwale aufgeschreckt, nur selten aber in unserer Nähe. Felix konnte (als Haus- und Hoffotograf) einige Rückenflossen und 2 Mal die Schwanzflosse auf Festplatte bannen.

Einsetzender Regen hemmte unsere Lust auf weitere Exkursionen. Nach dem Abendessen waren wir rasch bettschwer.

20 Aug. 2010 • Nuqui

Strandtag für Anna, Wolfgang und Nicole
Wolfgang in geheimer Mission

Der letzte Tag im Paradies

Ein tropischer Regenguss im Morgengrauen ließ uns schon befürchten, dass unsere Urwaldtour ausfallen müsste, aber Pozo beruhigte uns: Kein Problem!

Anna und Nicole bevorzugten den Vormittag am Strand zu verbringen, Wolfgang fand zum Glück keine passenden Gummistiefel und konnte auch in der Lodge bleiben. Um halb neun ging´s los gleich hinter dem Haus steil berauf. Ohne Gummistiefel geht nix – immer knöcheltief im Matsch. Tello ging mit Machete voran und erzählte allerlei von Heilpflanzen, Blumen, Lianen, Urwaldbäumen und Blattschneiderameisen. Felix und Clemens fielen fotografierend zurück. Aber der eigentliche Grund unserer Wanderung waren die Pfeilgiftfrösche. Am Ende unseres Aufstiegs sahen wir einige. Die größeren rot-schwarzen ließen sich sogar fotografieren, die kleinen gelb-schwarzen sind sehr scheu und dauernd auf der Flucht.

Am Berggipfel prasselte Regen nieder – die Frösche gingen in Deckung. Leider. Auf dem Rückweg nahmen wir einen Umweg über das Gebiet von Termales. Über den Fluss Rio Terco war eine Liane mit Sitzgelegenheit (Querstange) montiert – jeder bekam sein klassisches Urwaldfoto. Nicht weniger klassisch unser Rückweg nicht am, sondern im Fluss.

Zuletzt beim Erreichen des Pazifik, mussten wir in voller Montur durch den Fluss waten. Da waren die vollgelaufenen Gummistiefel nur noch eine Petitesse.

Nach dieser Megawanderung völlig verschmutzt und durchnässt tat die Limonada zur Begrüßung besonders gut. Nach dem abermals vorzüglichen Fisch zum Mittagessen verbrachten wir die Stunden bis zum Abend am Strand: Wellenreiten mit oder ohne Surfbrett… und Fotos mit Regenbogen …

Nach dem abermals vorzüglichen Abendessen dokumentierte Clemens mit einem kleinen Gedicht im Gästebuch der Lodge unsere Begeisterung:

Nachdem der Pozo uns gebracht hat im Eiltempo hierher, fiel uns das Eingewöhnen überhaupt gar nicht schwer: Die Köchinnen hier sind wirklich allesamt Klasse – Hier stimmt die Qualität UND auch die „Masse“!

Limonada zur Begrüßung, morgens in der Hängematte Obstsalat, wir wurden kulinarisch verwöhnt von früh bis spat. Am besten war: Zu jeder Gelegenheit gabs Fisch – Wann kriegt man so viel gutes schon mal auf den Tisch ?

Die Tour nach Termales, die Beobachtung der Wale, auch die Pfeilgift-Frösche sahen wir einige Male. Und Tello hat uns extra zum Rio Terco gebracht, das Lianen-Schwingen hat uns viel Freude gemacht.

Wenn wir nun morgen müssen schon Abschied nehmen, wollen wir nur noch eine einzige Sache erwähnen: Wer kapiert, dass das hier nur ein Geheim-Tip ist? – Bei einer „location“, die von uns keiner vergisst !

Vielleicht ist es ja ganz gut gewesen, dass „El Cantil“ ein Geheim-Tip ist – sonst wären wir nie so allein gewesen in dieser traumhaften Umgebung, wo nicht mal die häufigen tropischen Regengüsse stören… Wir wussten schon bei unserem Abschied: Die Tage hier in Nuqui waren ein echtes Highlight.

21 Aug. 2010 • Nuqui - Medellin

Über den Comunas von Medellin
Unsere Machos mussten zugeben, dass wir auch mit w

Abschied :-(

Nach dem Frühstück (der Sättigungsgrad an Fischempanadas ist inzwischen hoch) kam der Abschied von El Cantil. Pozo brachte uns auf üblich stürmischer Fahrt nach Nuqui – so manche(r) wurde noch mal nass bis auf die Haut. Der Souvenirladen am Westentaschen-Flughafen von Nuqui wurde noch mal um etliche Holzschälchen leichter. Und der einzige fliegende Händler in der Flughafen-„Halle“, ein kleiner schwarzer Junge mit melancholischen Kulleraugen, konnte wenigstens 2 Kokosfladen verkaufen.

Großes HALLO bei unseren Jungs, als klar wurde, dass uns 2 junge adrette Pilotinnen fliegen. Es hagelte Macho-Sprüche in der ersten Reihe, Nicole war entsetzt. Natürlich kamen wir gut in Medellin an – ein Foto der Pilotinnen mit den 2 Machos Ludwig und Kilian inklusive. Mit 3 Taxis ging´s ins Zentrum zum Hotel Lukas, und gleich weiter zum Stadtrundgang.

Wenn die Metro endet, führt die Metrocable (Kabinenbahn) weiter, in die Stadtteile auf den Hügeln, wo man derzeit besser nicht mehr aussteigt. Die Integration dieser berüchtigten Kommunen, alles Schwarz-Bauten der landflüchtigen Kolumbianer im Drogenkrieg, steht also wieder auf der Kippe. Rasch wieder unten angekommen, zwängten wir uns durch die extrem volle Fußgängerzone mit hektischem Markttreiben zum Parque Berrio, wo vor dem Museo de Antioquia die extrem prallen Figuren des weltbekannten kolumbianischen Künstlers Botero dem Publikum zahlreiche Fotomotive bieten.

Am Abend wählten wir die Fastfood-Variante auf der Fanmeile direkt vor unserem Hotel. Etliche grün-weiß gestreifte Fans von AN (Atletico Nacional) Medellin stimmten sich mit „Maracuya-Softdrinks“ auf das Abendspiel der ersten Liga gegen Cucuta ein und verstopften die ca. 800 Meter bis zur Brücke vor dem Stadion. Dort trafen wir Michael (Miguel), einen Österreicher, der seit 1 Jahr hier für viventura arbeitet und lieber ins Stadion geht als mit Nicole ins Restaurant bzw. Rumba-Discos.

Kilian und Ludwig (wer sonst?) kauften sich noch für je 7 Euro ein Trikot der Heimmannschaft, um eine rasche Verbrüderung mit der Fangemeinde zu ermöglichen. Die Ränge waren allenfalls ein Drittel gefüllt, die Stimmung trotzdem prächtig, das Spiel mäßig (nach deutschen Maßstäben ca. 2. Liga). Richtig Lärm (außer vier Böllern) gab´s nur 2 Mal, als kurz vor Schluss wegen Beschimpfungen und Wurfgeschossen der kleine Haufen der Gästeanhänger die Tribüne verlassen musste, und beim 1:0 für Medellin in der Nachspielzeit.

Konsti, der krank daheim bleiben musste, hatte immerhin im Fernsehen die deutsche Bundesliga gesehen.

22 Aug. 2010 • Medellin - Pereira

Die tolle Landschaft der Kaffeezone
Busfahrer John

Auf in die Kaffeezone

Gewohnt frühes Wecken – um schon um 8 waren wir wieder auf der Piste Richtung Süden. Am Stadtrand von Medellin machten wir kurz Halt am Grab von Pablo Escobar, dem Boss des Drogenkartells, der 1993 von einem Kommando aufgespürt und exekutiert wurde. Auf dem Grabstein steht: „Wenn du einen guten Menschen triffst, ahme ihn nach

Unser neuer Chauffeur John fuhr einen heißen Reifen auf den Bergstraßen und überholte zahllose LKWs, mehr geschickt als wagemutig. So waren wir schon kurz nach 14 Uhr in Pereira. Im Exito (Supermarkt), der in jeder Stadt der USA so sein könnte, deckten wir uns vor allem mit Obst ein.

Um halb vier waren wir schon auf unserer Kaffee-Finca „La Valencia“ angelangt, eine großzügige Veranda, Jugo de Guayaba (Guave), Vogelgezwitscher und sonst nur himmlische Ruhe, ein Swimmingpool: eine Oase nach dem hektischen Medellin! Wir sind die einzigen Gäste. Zum Abend gabs reichlich Salat und ein Arroz con Pollo.

23 Aug. 2010 • Pereira

Wir fliegen über die Kaffeefelder!
Der beste Kaffee ist der selbstgepflückte

Kaffeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

Zur Abwechslung mal Joghurt/Müsli Frühstück und eine Riesen-Schüssel Obstsalat.

Freddy, der Verwalter der Finca und vom Aspekt her ein Kaffeefarmer, wie man ihn sich vorstellt, führte uns durchs Anwesen. Er zeigte uns die Kaffeepflanze (Blüten und alle Stadien der Bohne in einer Pflanze) und wie man sie erntet. Unsere gesammelte Ernteleistung in 10 Minuten wäre ca. 100 Pesos (4 Cent) wert gewesen. Verbesserungswürdig – oder schlechter Lohn?

Am Wegesrand standen Bananenstauden, Bäume mit Avocado, Guayaba, Papaya, Limonen, Mandarinen etc., alles reif zur Ernte, und viele exotische Blüten…

Auf der Finca wurden uns von Freddy die einzelnen Verarbeitungsschritte der Bohnen (Schälen, Trocknen, Entkernen, Rösten) sehr anschaulich demonstriert. Der Wert einer Tasse Kaffee, die wir danach serviert bekamen, wurde uns damit erst verdeutlicht.

Nach diesem informativen Vormittag machten wir noch einen Abstecher ins Flusstal, wo ca. 20 verschiedene Schmetterlinge flatterten. Dann war bei strahlendem Sonnenschein der Swimming-Pool fast schon notwendig. Zum Mittagessen kam unser gestriger Einkauf zum Einsatz: Der Tisch, überladen von Sandwiches und 7 verschiedenen Obstsorten (inkl. Pitahaya mit abführender Wirkung) war schon optisch ein Genuss.

Siesta gabs nur für die Erwachsenen, außer für den Verfasser, der (in Ausübung seiner Chronistenpflicht) die Jugend zum Canopy begleitete. Fast wäre der Spaß durch Wolkenbrüche verhindert worden. Es war schon „sau geil“, in rasender Fahrt über die Kaffeeschluchten und Bananenbäume zu schweben. Die größte Aufregung herrschte aber am 7. und letzten Startpunkt: eine ca. 2 Meter lange Giftschlange hatte es sich auf dem Geländer bequem gemacht und musste erst mit einem Stock vertrieben werden! Fünf von uns hatten noch nicht genug und hangelten über diverse Urwald-Hängebrücken/Seile. Eine ultimative Anstrengung, aber ein super Fotomotiv.

Zum Abendessen war große Grillparty – der Grillplatz der Finca samt der großzügigen Terrasse ist das ideale Ambiente. Und ein kühles Aguila-Dosenbier dazu…

24 Aug. 2010 • Salento - Pereira

Bei den Artesanos zu Gast
Energie tanken

Wanderung bei den Wachspalmen

Das exquisite Obstfrühstück wird uns abgehen… Johns alter Bus dröhnte schon um 7:45 h durch das Tor. Gut 2 Stunden später, Richtung Süden zum Teil auf der Panamericana, waren wir in Salento angekommen.

Unser Hotel „La Posada del Cafe“ ist ein wunderbar angestaubtes, verträumtes Etablissement mit einem schönen Innenhof, zahlreichen Hunden (zahm wie Katzen) und einer netten Hausdame. Wir waren aber vor allem wegen der Hauptattraktion hier, dem Valle de Cocora, mit den zahllosen Wachspalmen.

Unser Guide Edison machte sich mit uns auf zu einer 3,5-stündigen Wanderung hinauf in den Dunst des Bergnebelwaldes. Dort kommen die bis 60 Meter hohen Riesen, die über 150 Jahre alt werden, noch besser zur Geltung. Der Nationalbaum Kolumbiens ist die in höchster Höhe (bis 2400 Meter) wachsende Palme, die ihren Namen von der Wachs-Schutzschicht des Stammes erhalten hat. Am Wegesrand fanden wir zahlreiche (sehr kleine) Orchideenarten, die Früchte der schwarzen Zeder, watte-weiches Grass und gefleckte Kühe (mit den zugehörigen Fladen – Nicole!)

Zurück im Ort plünderten wir den Kuchenvorrat einer Konditorei. Das Schmuckstücke-Basteln im außerhalb des Ortes gelegenen Artesania-Zentrum fand letztlich kein Interesse, so dass wir uns lieber in einer der zahlreichen Cafeterias bzw. in den noch zahlreicheren Kunstgewerbeshops die Zeit vertrieben. Die Fotografen fanden reichlich Motive bei den Passanten, Willys-Jeeps und bunt herausgeputzten Gassen, die nach einem Erdbeben vor 11 Jahren recht ansprechend wieder hergestellt wurden.

Nach dem Abendessen im „Fonda de los Arrieros“ am Plaza Mayor – es gab Trucha (Forelle) mit Patacon (Kochbananenfladen) in allen möglichen Variationen – erzählte uns Nicole noch einige Schwänke aus ihrer Jugendzeit (des Reiseleiterlebens), die Kommentare von Ludwig als Sahnehäubchen…

25 Aug. 2010 • Rivera - Salento

Die Wüste lebt
Seifenkisten-Fahrer Jose

Monsterfahrt

Um 6:15, kurz nach Sonnenaufgang, war Frühstück auf der Holzterrasse angesagt. Es war noch recht frisch, wie die lau-kalte Dusche zuvor.

Unser Busfahrer John erschien etwas später als geplant, aber topfit. Heute war sein großer Tag – er musste uns über die Zentralkordilleren bringen: Ein stetiger Wettstreit aller Pkw- und Busfahrer, wann man die mehr kriechenden als fahrenden Riesen-Trucks überholen kann. Eines war uns schnell klar: Ein doppelt durchgezogener Mittelstreifen hatte mit Überholverbot nicht das geringste zu tun. Auf der Passhöhe (3700m) waren wir definitiv über den Wolken.

Beim Runterfahren lernten wir an einer der ärmlichen Hütten am Straßenrand den Seifenkistenfahrer Jose kennen. Er lässt sein abenteuerliches Gefährt (Seilzuglenkung, Bremsen durch Muskelkraft mit Teilen eines ausrangierten Autoreifens, Sitzplätze wie in einem Bob, Rückspiegel rechts!) von Lkws bergan ziehen. Bergab geht alles leichter, aber noch gefährlicher – wie vor Jahren, als ein Pkw beim Überholen Joses Bob übersah: Ein sechsmonatiger Krankenhausaufenthalt war die Folge…Aber er muss wohl seine Tochter ständig zur Schule bringen. Wir wünschten ihm viel Glück und kamen nach zahllosen Kurven wohl behalten im Tal an. Plötzlich wieder dampfende Hitze, als wir über den extrem breiten Magdalena-Fluss fuhren. Alles bretteben, die Straße schnurgerade durch ausgedehnte Mangoplantagen, eine ganz andere Welt.

In Neiva deckten wir uns im Supermarkt wieder mit Obst ein. Und weiter gings zur Tatacoa - Wüste, einer ca. 60 qkm große Dornensavanne, die auf Grund der seltenen Niederschläge (ca. 15 pro Jahr) nur von spärlicher Vegetation bedeckt ist. Die Ziegenherden der ansässigen Bauern gefährden die Restpflanzen zusätzlich. Durch Regen und Wind sind große Gebiete zu karstigen Schluchten ausgewaschen und haben ein bizarres Landschaftsbild geschaffen, was die verschiedenen Gesteinsschichten gut erkennen lässt. Unser Picknick an der Sternwarte dauerte bis in die Nacht. Der Himmel über Tatacoa ist nur extrem selten bewölkt. Heute war der extrem seltene Tag – Nix war es mit Sterne gucken!

Bei der Rückfahrt nach Neiva wurde uns klar, warum man bei Nacht nicht unterwegs sein sollte, aber John meisterte alle Schlaglöcher mit Bravour. Und wir stürzten uns um 21 Uhr zur Erfrischung noch in den Pool unseres Hostal „Los Balcones“ in Rivera (bei Neiva)

26 Aug. 2010 • Rivera - San Agustin

Nicht jugendfrei!
Zuckerrohrpresse

Preuss trifft die Schamanen

John hatte seinen Bus schon blank geputzt, als wir erst aufstanden. Nach einem schnellen Frühstück führte uns unsere Reise weiter zum südlichsten Punkt, da wo Ost- und Zentral-Kordilleren zusammentreffen, zum Ursprung des Rio Magdalenas, dem größten und bekanntesten Fluss Kolumbiens. Er hat derzeit relativ wenig Wasser, wie wir an einem Aussichtspunkt sehen konnten – das Schwemmland war trocken, die Nilpferde von Pablo Escobar sind längst nicht mehr da.

Pause am Straßenrand mit agua panela con queso (nicht nur in Kakao kann man Käse aufweichen). Hungrig kamen wir in San Agustin an, genau der richtige Zustand, um in unserem Hotel „Finca el Maco“ die exzellente Lasagne aus Renes Küche zu verputzen. Und erst die große Salatschüssel, und fresas con crema…

Unsere putzigen Bungalows mit den Hängematten konnten wir nicht genießen, weil wir gleich wieder auf Tour waren: der Archäologische Park, das Herz der geheimnisvollen San Agustin –Kultur warte auf uns. Das Museum ist mäßig interessant, die zum Teil monumentalen Statuen und Grabwächter aus der klassischen Periode (ca. 1500 Jahre alt), die im Park verstreut ausgestellt sind, begeisterten uns aber schon. Der deutsche Archäologe Professor Preuß hat vor ca. hundert Jahren die meisten Skulpturen entdeckt. Dass die Schamanen sich mit Hilfe von Koka & Co. in andere „Bewusstseinsstadien“ beamen konnten, war uns geläufig. Dass Sonnen- und Mond- Kult auf ausgewählten, heiligen Bergrücken ausgeübt wurde, ist auch ok. Aber die grausamen Riten der Opfer von Babies und Kleinkinder ließen uns doch leicht erschaudern. Kleiner Spaß zur Ablenkung, als unsere Jungs die reichlich verstreuten Phallus-Symbole entdeckten: ein klassisches Photomotiv – klar.

Am Abend waren wir im Restaurante „Donde Richard“: Fleisch satt! In fast totaler Finsternis stolperten wir bergan zu unseren cabanas. Zum Glück war Vollmond.

27 Aug. 2010 • San Agustin

Panela Produktion
Dieses Mal als richtige Arrieros!

Mal wieder auf dem Ruecken der Pferde

Wunderbar ausgeschlafen in unseren Bambushütten – und dann gabs das beste Frühstück in Kolumbien: sechs Obstsorten, dass die Platte sich bog, Müsli, Kumis (Joghurtmilch), perricos, selbstgebackenes noch warmes Weißbrot, Marmelade…

Das reichliche Frühstück sollte bald kräftig geschüttelt werden – wir waren nämlich nochmals auf den Rücken der Pferde. Sie waren als „gehfreudig“ angekündigt, waren aber eher „galoppfreudig“. In engen Feldwegen im Pulk im Galopp unterwegs zu sein, war schon ein einmaliges Erlebnis, aber nicht ganz ungefährlich. Also genau das richtige für unsere Jungs, denen es gar nicht wild genug zugehen konnte. Leider knickte Geli beim Absteigen um und musste mit dickem Knöchel zurück ins Hotel.

Auf unserem Weg lagen noch zwei Ausgrabungsstätten: El Tablon mit beeindruckenden Figuren, die mit Naturfarbe bemahlt sind. Und La Chaquira, eine Sonnenkultstätte hoch über dem engen Rio Magdalena Tal. Außerdem schauten wir in einer kleinen Panela Fabrik zu, wie aus dem Zuckerrohrsaft durch Erhitzung die Eindickung der trüben Brühe vor sich geht, bis die typischen hellbraunen Zucker – „Ziegelsteine“ fertig sind.

Vom Ausritt waren wir eigentlich alle geschafft, z.T. mit huevos revueltos belastet, aber Siesta nach dem Mittagessen war nicht drin: Gabi und Wolfgang auf Kulturtrip (wir hatten ja noch nicht alles Statuen gesehen), Anna beim Stadtbummel, und Clemens durfte wieder einmal die „Rasselbande“ beaufsichtigen, diesmal beim River Rafting. So lernten wir den Rio Magdalena besonders intensiv kennen, vor allem Ludwig, der bei einer der Stromschnellen kurzfristig von Bord ging. Nass wurden wir alle, das ist Pflicht.

Zum Abendessen führten wir Geli (mit Eisbeutel am Knöchel) in Renes gute Stube, wo alle hungrigen Mägen bis zum Anschlag gefüllt wurden: Pizza, Spaghetti, Curry, Bananen-Crepes ins Schokosauce.

FOTOS FOLGEN IN KÜRZE

28 Aug. 2010 • Santa Marta - San Agustin

Reisetag
So wird das Tagebuch gemacht.

Lazertt an die Karibik

Noch einmal das geniale Frühstück, getrübt durch die Zwischenmeldungen aus den verschiedenen Krankenstationen – wobei die gastrointestinalen Probleme vor den orthopädischen dominieren. Für die lange Busfahrt nach Neiva lagerten wir Gelis gekühlten Knöchel hoch – auf den Motorblock neben dem Fahrer. Rasche Eisschmelze war leider garantiert.

Im Ort Gigante bekamen wir (passender Weise) die Jugos gleich im Liter-Plastik-Topf zum „refill“ auf den Tisch – der Preis war alles andere als gigantisch (2000 Pesos entspricht 80 Cent). Am Flughafen in Neiva drückende Schwüle, in Bogota frisch. Nicole hatte organisiert, dass Miguel Krücken für Geli mitbrachte.

Luxus Maschine zur Karibik – Küste: Wir bekamen frische Getränke kredenzt, Nicole nicht mehr ganz frisch Erbrochenes. Erst um 21 Uhr kamen wir in Santa Marta an. Das Karibik-Feeling mit 28° und lebhaftem Treiben am Strand (Trommeln und Ziehhammonika, d.h. Vallenato, in allen Ecken) konnten wir nicht recht nutzen, weil wir durch die lange Fahrt ziemlich erschöpft waren.

29 Aug. 2010 • Santa Marta

Auf in den Tayrona Park - mal sehen, wann wir anko
Feliz Cumpleanhos, Gabi!

Wolkenbruch im Urwald

Unkolumbianische Hektik in der Früh, für 7 Uhr gleichzeitig war Frühstück und Busfahrer bestellt. Der Busfahrer kam also erst um 7:45 ins Spiel, und es dauerte einige Minuten bis klar war, dass in einem 8-Sitzer keine 13 Leute transportiert werden können. Ein zufällig vorbeifahrender Bus wurde auserkoren und musste erst noch aufgetankt werden, aber wir hatten alle (besser) Platz.

Als wir erst um halb zehn unseren Urwaldtrip im Tayrona N.P. bei Calabazo starteten, war klar, dass wir die Mittagshitze voll mitbekommen. Am Eingang lernten wir die Unzertrennlichen kennen (Papageien-Pärchen mit eingebautem Magnetismus), bald darauf Buben am Wegesrand, die auf Grund der weiten Distanz keinen Schulbesuch ermöglicht bekommen. Noch weiter weg von den Möglichkeiten (und Problemen?) der westlichen Zivilisation entfernt ist die kleine Ansiedelung von Kogi-Indianern, wo die ganz in weiß gekleideten Mädchen in der verrauchten und dunklen Strohhütte versteckt waren und erst herauskamen, als wir mit dem Häuptling (in recht „westlicher“ Sportkleidung) ein Gespräch und dann ein Verkaufsgespräch führten: Gabi leistete sich „zum Geburtstag“ eine Umhängetasche aus Naturfasern und -farben.

Bei Mittagsglut freuten wir uns in den Ruinen der vor 300 Jahren verlassenen Indiandersiedlung Pueblito Chairama über eine frisch gezapfte Kokosnuss, die uns unser Guide Javier mit seiner Machete zubereitete. Der folgende Weg war zwar gesäumt von wunderbaren Schmetterlingen und Pflanzen, aber wahnsinnig anstrengend wegen der riesigen extrem glatten Steinen und der drückenden Schwüle.

Endlich nach 6,5 Stunden kamen wir zum Strand Arrecifes – an dem man wegen gefährlicher Strömung aber nicht baden darf. Uns war nur noch nach einer (hoffentlich kalten) Dusche! Ein besonderes Erlebnis war die Dusche, die akustisch von trommelndem Regenguss begleitet war. Dann Blitz und ohrenbetäubender Donner – und der Strom fiel aus. Mehr Urwald geht nicht…

Nicole hatte einen Geburtstagskuchen für Gabi organisiert, wir sangen unser Ständchen. Beim Sprint zum Restaurante im Wolkenbruch waren die im Vorteil, die fast „ohne“ liefen – die Kleider in der Plastiktüte unterm Arm. Der Rückweg war trocken, von oben, die Wiesen ein riesiges Sumpfgelände mit einem mega-lauten Froschkonzert. Ein unglaubliches Erlebnis! Die Nacht in der Hängematte war dann gewöhnungsbedürftig – 60 Schläfer in einer Halle, wie eine Fledermaushöhle.

30 Aug. 2010 • Tayrona-Nationalpark - Santa Marta

Sonnenuntergang am Strand von Santa Marta
Unsere MAcho-Jungs... mit dem Tanzen klappts noch

Strand, Valderrama und Chucho

Wieder wunderbares Wetter, die Frösche zogen sich auch akustisch zurück. Nach dem Frühstück war Baden angesagt, nur Wolfgang leistete der gehandicapten Geli Gesellschaft.

Nach einem Strandspaziergang, vorbei an einem Zufluss mit einem gut getarnten Kaiman, erreichten wir endlich die zum Schwimmen geeignete Bucht. Warmes Wasser, riesige glatte Felsblöcke, grünes Urwalddickicht mit Palmen am Strand, strahlend blauer Himmel, ein Karibik-Traum! Kaum waren die Sprungfotos der Jungs im Kasten, musste wir schon zurück, auschecken.

Der Weg nach Cañaveral war wegen der Regengüsse unbegehbar – für uns, aber nicht für Pferde! Selten waren 16.000 Pesos (6,50 €) besser investiert: Ein abenteuerlicher Ritt über Stock und Stein und vor allem Matsch – zum Glück ganz langsam. Zurück in Rodadero (bei Santa Marta) brauchten wir schon wieder eine Dusche, die Schlammspritzer mussten weg.

Bei der anschließenden Stadtrundfahrt mit einem urtümlichen Chiva-Bus mühten sich die fünf Musiker (Akkordeon, Percussion und lauter Gesang) nach Kräften, uns karibisches Lebensgefühl einzubläuen. Unsere Jungs, die zuvor durch Tanzunwilligkeit oder zumindest Hüftsteife auffielen, wurden erst lockerer unter der monströsen Bronzefigur von Carlos Valderrama, der Fußballlegende aus den 90er Jahren, vor dem Fußballstadion der Stadt.

Die Historie, wie die Kathedrale (die älteste Kolumbiens) oder der Sterbeort Bolivars, wurden nur gestreift. Abendessen im vorzüglichen Fischrestaurante „Donde Chuchos“, die Preise nähern sich Europa, die im Reiseführer erwähnten Killer traten nicht auf. (P.S. Letztmals 2007!)

31 Aug. 2010 • Cartagena - Santa Marta

Cafe del Mar - 1. Abend
Wie süss!

Koloniales Kleinod

Heute stand unser letzter „Fahrtag“ an: Vom Busbahnhof Santa Marta (größer als der Flughafen in Neiva) ging es mit dem Expressbus via Barranquilla nach Cartagena. „Express“ aber erst, nachdem der Bus bis auf den letzten Platz voll war, was etliche Zwischenstops in den Straßen von Santa Marta erforderte.

Dank unseres frühen Starts waren wir schon um 2 Uhr in unserem Hotel „Villa Colonial“ im Stadtteil Getsemani, dem quirligen „Matrosenviertel“, wo vor 200 Jahren die Revolutionäre sich gegen den spanischen Vizekönig verschoren. Wir schworen uns, kein Stück Kuchen in dem kleinen Lokal nebenan übrig zu lassen, und wir hielten Wort.

Derart gestärkt machten wir uns auf zum Abendlichen Altstadttrip, mit Geli im extra georderten Rollstuhl! Ihr war´s peinlich, wir hatten unseren Spaß, vor allem als bei einem Wendemanöver sich der rechte Reifen von der Felge löste.

Das Centro von Cartagena ist ein koloniales Kleinod, was jeden halbwegsinteressierten Hobbyfotographen komplett ausrasten lässt: Alle 10 Sekunden ein neues Motiv. Restlos begeistert waren wir alle vom „Cafe del Mar“ auf dem westlichen Festungsturm der alten Stadtmauern. Edle Drinks, eine lauschige Liegewiese (Sofa perfekt für 10 Personen), dezente Musik, laue Brise vom Meer, eine „endgradig coole chill-out-area“, wie die Jugend zu sagen pflegt. Eine optimale Möglichkeit für kollektives Fotoshooting. Zum Abendessen unterstützen wir, wie anfangs in Bogota, im „Crepes & Wafels“ wieder die allein erziehenden Mütter.

01 Sep. 2010 • Cartagena

Tu Candela!
Die wunderschöne Altstadt von Cartagena

Impressionen aus der Karibik

Großzügiges Frühstück gegenüber dem Hotel, mit freiem Blick auf die Straße, so bekamen wir gleich wieder das pralle Leben mit: Obstverkäufer mit voll beladenen Karren, hupende Taxikolonnen, leichte Mädchen mit schwerem Gang, Schneider Henry schräg gegenüber gönnte sich mangels Kundschaft gleich mal eine Brotzeit, gefolgt von theatralischem Fädeln seiner verbliebenen Zähne…

Um 8:30 holte uns Cäsar, ein Fremdenführer vom alten Schlag, ab. Dank seiner über 50-jährigen Erfahrung blieb keine Frage über Cartagena unbeantwortet, trotz vorgerücktem Alter war er körperlich und geistig außergewöhnlich agil, kurzum: großartig!

Unser Bus brachte uns die Schlaglochpiste hoch zu La Popa, dem Augustinerkloster mit herrlicher Aussicht: Leichter Regen und Wind machten sich hier positiv bemerkbar. Viel Spaß hatten wir bei der Erklimmung des Castillo San Felipe, der mit 10.000 qm größten Festungsanlage der spanischen Kolonialzeit – weil wir Geli mit dem Rollstuhl rauf und runter schieben mussten. Wohl dem, der kräftige Söhne hat.

Die Engländer konnten 1741 die Festung jedenfalls nicht einnehmen, nicht weil der „Mediohombre“ Blas de Lezo auch sein zweites Bein opferte, sondern weil den Spaniern die Mücken (Gelbfieber, Malaria) zu Hilfe kamen.

Zurück in der Altstadt gings über den Kutschenplatz (ehemals größter Sklavenmarkt Südamerikas) und den Zollplatz zur Jesuitenkirche San Pedro Claver (dem „Sklaven der Sklaven“) und hinein in das Gassengewirr, bis wir in einem typischen Einheimischenlokal vorzüglich bewirtet wurden.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Die Jungs stromerten durch die Stadt, Clemens und Jung-Paparazzi Felix gingen auf Fototour, Gabi klapperte Museen ab, Wolfgang und Nicole wurden durch die Mani-Pediküre noch hübscher und Geli wartet auf eine mildtätige Seele, die sie im Rollstuhl heimschob: „Major George“ erbarmte sich.

Zum Sonnenuntergang (der wegen Wolken abermals nicht stattfand) routinemäßiger Treffpunkt Cafe del Mar. Dann erstmals kein (gemeinsames) Abendessen. Sind wir am Ende etwa gesättigt?

02 Sep. 2010 • Cartagena

Fotoshooting im Cafe del Mar
Clemens tolle Zusammenfassung der Reise

Unser freier Tag

Frühstück mit Ausblick, daran kann man sich gewöhnen: Im gegenüberliegenden Hotel Villa Grande, links eine kleine Tür zur Bar, rechts eine Tür mit schmaler, steiler Treppe (das Schildchen „Hotel Real Inn“ lässt auf das reale Leben schließen) mit einer knapp bekleideten Mulattin, die permanent am Handy ist – und die mittlere Tür gehört Schneider Henry, der an seiner Nähmaschine gelegentlich tätig ist, wenn er nicht brotzeitelt oder die Vorgänge auf der Straße beobachtet. Die Fassade ist ganz in rosa gehalten, ein Gemälde.

Heute, am letzten Tag war „frei“. Trotz anfänglichem Regen entschieden sich die Damen, mit Ludwig als Bodyguard, für einen Bootsausflug auf die Isla de Baru zum Baden – eine gute Wahl bei weißem Strand, lauwarmen Meer und Palmenschutz vor der Sonne.

Einige gingen zur Halbinsel Bocagrande (Hotelbunker und unattraktiver Strand), die Mehrheit ging noch einmal in die Altstadt, zum Goldmuseum und zur Jesuitenkirche Pedro Claver.

Nach einer kleinen Siesta holte Clemens seine 2 reparierten Hosen bei Henry ab (5000 Pesos, da kann der Alte seinen Laden ja nie erweitern). Um 17 Uhr ein letztes Mal Treffpunkt am Cafe del Mar zum ultimativen Fotoshooting, dieses Mal gabs auch einen mit roten Wolken verzierten Horizont über der Karibik. Abendessen gabs auf dem Plaza San Pedro, ein wunderbarer Platz und exquisiter Fisch. Clemens ließ in einem Gedicht noch mal die Reise Revue passieren, nicht ohne einen jeden mit einer kleinen Episode oder „Charakterschwäche“ aufzuziehen (Bayrisch: derbleckn).

Danach zog die Jugend los auf die preiswerten Bierquellen beim Sklavenmarkt. Die älteren Semester schauten in das Cafe Havana, schräg gegenüber unserem Hotel, bis die etwas laute Live-Musik uns vertrieb.

03 Sep. 2010 • Frankfurt - Cartagena

:-)
Beso de la negra oder besser de Tello!

Der Abschied naht

Heute frühstücken wir ein letztes Mal mit dem Blick auf die Schneiderei von Henry und überhaupt ist das unser letztes Frühstück zu 11.

Ein bisschen wehmütig ist heute die Stimmung. George hat schon nicht gut geschlafen - bestimmt schlägt ihm der bevorstehende Abschied auf den Magen ;-)

In Gedanken lasse ich noch einmal die Reise Revue passieren und habe es schwer, die Hightlights herauszupicken. Die Reise hat einfach die ganze Zeit sehr viel Spaß gemacht! … deshalb die Fotos von heute: 2 unserer unzähligen, schönen Erlebnisse!