Reisetagebuch viActive Venezuela Ost - 24.10.2009
Reisebericht | Tour vom 24.10. - 10.11.2009
"Diese Reise kann man nur mit dem Prädikat „intensiv“ versehen, sie war in vielerlei Hinsicht etwas ganz besonderes, und ich glaube für uns alle wird sie unvergesslich bleiben.
Schon bevor sie eigentlich losging, gab es eine Hiobsbotschaft: 2 Mitreisende haben ihren Flug wegen des Nebelchaos in Frankfurt verpasst, neuer Ankunftstag unklar. So begannen wir die Reise also zu zwölft, aber man merkte schnell, dass es in der Gruppe stimmte. Erst am dritten Tag waren wir komplett, organisatorisch und logistisch war das alles nicht einfach gewesen, aber es hat ja geklappt.
Nun ist die Venezuela-Ost Reise wirklich kein Zuckerschlecken: Wir sind oft abseits befestigter Strassen, klettern über Stock und Stein, wandern in rutschigen Flussbetten und campieren sogar 4 Tage in der Wildnis ohne Kontakt zur Aussenwelt, natürlich in Begleitung der Pemones, aber irgendwie doch auf uns allein gestellt. Damit so ein Unterfangen in einer grösseren Gruppe Erfolg haben kann, erfordert das eine Menge Disziplin, Feingefühl, Spontanität, Hilfsbereitschaft und „Gruppendenken“ von jedem einzelnen. Und hier muss ich sagen, dass die Art und Weise, wie das alles in dieser Gruppe geklappt hat, ausserordentlich gut war.
Auch gab es kaum Verständigungsprobleme zwischen uns und Einheimischen, obwohl nur eine von uns etwas Spanisch konnte, und ich war begeistert, wie selbständig und selbstbewusst „meine Gruppe“ auftrat und mit einer stets positiven Einstellung teilweise auch schwierige Situationen meisterte. Und wie schön ist es für einen Reiseleiter, nicht mit stressbedingtem Kopfweh sondern mit Bauchweh vom vielen Lachen wieder nach Hause zu fahren und das Gefühl zu haben, nicht mit „Kunden“ sondern mit Freunden unterwegs gewesen zu sein. ¡Qué viva nuestro grupo, viva Venezuela!"
10 Stunden später, Sonne in Caracas, und wir zwölf, die es bis hierher geschafft haben, fahren mit kühlem Bier in der Hand hoch in die Landeshauptstadt, und nachdem wir den dritten Tunnel durchquert haben, eröffnen sich uns vollkommen ungewohnte Ansichten einer Grossstadt: Häuser, die wie zufällig hingewürfelt an den umliegenden Hängen kleben – die Armenviertel; im Tal ein unendliches Meer aus Wolkenkratzern, Türmen und Reklameschildern, und das ganze eingerahmt von 2500 Meter hohen, grünen Bergen – dem Avila-Massif. Eddy zeigt uns vom Bus aus Mahagonibäume, während wir Autos passieren, die bei uns schon vor 20 Jahren nicht mehr durch den TÜV gekommen wären...
Recht lecker das erste Abendessen im typischen Grillrestaurant und wir scheinen ´ne lustige Truppe zu sein, aber nee, alt werden wir heute Abend sicher nicht mehr, erstmal Jet-Lag ausschlafen, Grüsse aus Cara“krass“.
P.S: von unserer Ankunft gibt´s keine Fotos, dafür zwei vom nächsten Tag. Der Spritpreis ist wohl ein Witz, aber so ist das hier in Vene“Saudi“zuela...
Zuerst ging es über die (nur sonntags) freie Stadtautobahn, immer ostwärts, bis wir schließlich die Mega-Metropole verlassen haben und schon bald durch dichten grünen Wald fuhren. Es ging vorbei an Kakaoplantagen durch das sogenannte Barlovento. Eddy kaufte uns unterwegs Bananen, die nur fingergroß sind, aber dafür 100 Mal leckerer als alle Chiquita, was wir so kennen.
Die Landschaft änderte sich recht schnell hier, von üppigsten Wäldern zu kakteenreichen Halbwüsten. Wir passierten eine Mangrovenlagune (schade, die Flamingos sind noch nicht angekommen) und konnten manchmal einen Blick auf die Karibik werfen. Vorbei ging es dann an einer riesigen Erdölraffinerie bei Barcelona (nein, wir haben uns nicht verfahren!), bevor wir die Küste verließen und immer weiter in den Süden fuhren. Sag mal, wollen die uns hier mästen? Lecker Cachapas und Guanabana (¿¿wiiieee, kennt Ihr nicht??) zum Mittag und so ist es auch kein Wunder, daß uns kurz darauf ein Reifen platzte. Der Schaden war aber schnell behoben...
Dann waren wir am Orinoco und passierten die große Brücke, die uns nach Ciudad Bolívar und in unser Hotel brachte. Leider brachen wir dann zu spät vom Hotel auf und konnten so nur noch das letzte Abendrot über dem Orinoco erhaschen. Wir werden ja nochmal hier in Ciudad Bolïvar sein, um den Sonnenuntergang vor dieser grandiosen Kulisse mit mehr Zeit zu genießen. Jou, und der Erste der Zwei vom gestrigen Nebel verschluckten ist dann abends auch zu uns gestoßen. Beim zweiten Pechvogel klappte dies wohl erst morgen, pünktlich zum Beginn unserer (hoffentlich tollen) Abenteuer in der Welt der Tafelberge... sind schon ganz gespannt.
Buenas noches, bald mehr von uns...
Immer weiter südlich führte uns der berühmte Highway 10, die Landschaft änderte sich schnell von üppigem Tropenwald zu Savanne und es waren immer mehr palmbedeckte Rundhütten zu sehen. Es bestand kein Zweifel, wir kamen ins Indianerland...und ins Goldland. Wir passierten El Dorado und kamen in El Callao an, vorbei an staatlichen Goldminen und zwei Ecken weiter zu einem privaten Stollen. Bauhelme auf den Kopf gesetzt und ab in den Stollen, wo uns Nino viel interessantes zum Goldabbau zeigte. Danach sahen wir uns noch ein paar Goldgeschäfte an und mussten dann aber nochmal Strecke machen, immer weiter in den Süden, in die Welt der Tafelberge.
Nachts kamen wir dann in Kamoiran an und sind schon gespannt darauf, das ganze hier bei Tageslicht zu sehen. Um 3 Uhr morgens kam dann auch unser letztes verlorenes Schaf an, die Odyssee hat ein Ende, unsere Truppe ist endlich vollzählig, juhuu.
Wir kamen dann in Liworibö an, einer Pemónsiedlung, bestiegen dort ein Einbaumboot und fuhren den Aponguao flussabwärts bis an den Chiriwena-Merú, einen 100m hohen wunderschönen Wasserfall. Rodrigo, unser Pemón, zeigte uns unterwegs allerlei Pflanzen, die die Indianer hier nutzen, und wir probierten selbst lebende Termiten – schmeckte nicht schlecht! Nach einer kurzen Wanderung waren wir an einem natürlichen Pool mit Wasserfall angekommen und badeten im kühlen Nass.
Picknick, schönes Kunsthandwerk und weiter ging es über die „Wackelpiste“ zu einem Flussbett aus rotem Jaspis, irre. Unser Camp hier im Niemandsland ist traumhaft schön mit Orchideen und Baumfarnen und unser Rum schmeckt hier nochmal so gut. Grüße von der kompletten Gruppe aus dem Goldland!!!
Später kamen wir schön durchgeschüttelt am Karuay-Fluss an und wanderten durch den Dschungel zum gleichnamigen Wasserfall unter dem wir uns duschen konnten. Danach bestiegen wir Einbäume und fuhren an einem Indianerdorf vorbei, wobei das ganze Dorf uns vom Ufer aus anguckte als wären wir Außerirdische (kommen da vielleicht die UFO-Geschichten her??). Jedenfalls scheint es hier nicht jeden hinzuverschlagen. Unser Ziel war ein traumhafter natürlicher Pool an einem Wasserfall mit Sandstrand, wo wir auch ein lecker Picknick machten. Auf der Bootsfahrt zurück überraschte uns der Regen, egal, und wir sahen Eisvögel und einen Tucan!
Der Sonnenuntergang und die Wolkenformationen auf der Rückfahrt waren unbeschreiblich, die Stimmung bestens, die Bauchmuskeln straff vom vielen Lachen und der Rum weniger als vorher. Die Jeeps waren nicht mehr weiß, die Vorfreude auf mehr groß. Uns geht’s blendend, bald mehr...
Nach einer halben Stunde Rumgeschaukel erreichten wir wieder die Hauptstraße, passierten Kamoirán (schönes Kunsthandwerk aus Jaspis und Speckstein) und relaxten kurz an den Stromschnellen von Manakachi. Wir sahen uns den hohen Wasserfall von Kama an und gelangten an einen Aussichtspunkt, der uns einen fantastischen Blick auf die berühmten 7 Tafelberge des Roraima-Massifs eröffnete. Sie waren abwechselnd mal frei und dann mal wieder in Wolken versunken. Freunde, die Landschaft kann man aber nicht beschreiben, dazu müsste man ein Dichter sein, mindestens!
Eigentlich stand ja auch schwimmen auf dem Programm, aber dazu war es dann viel zu kalt. Das Wetter ging nämlich von bewölkt-windig zu wolkenbruch-stürmisch über und auch wir alle waren heute irgendwie etwas müde und viel weniger ausgelassen als die Tage zuvor. Richtig toll war dann aber wieder das Flussbett aus rotem Jaspis, mit Wasserfall am Ende. Manchmal glaubte man sich in einer Traumwelt zu befinden. Santa Elena: ein paar Einkäufe, tolles Hotel mit Pool, Caipis und Cuba Libre, salud! Und da waren wir wieder ganz die Alten, buenas noches von der brasilianischen Grenze!
Landung auf einer Schotterpiste, Kavak, ein Dörfchen aus Rundhütten, der Auyan-Tepui mit vielen Wasserfällen zum Greifen nahe, baden im Fluss, ist es nicht paradiesisch hier? -Sicher! Kinder Kinder, uns geht’s gut. Kaum haben wir den Flug und Wilmer´s leckere Menü verdaut gehabt, machten wir uns auf den Weg zur Kavak-Schlucht. Wir sind vorbei an einen schönen Wasserfall, dann an den Kavak-Fluß und dann...Endstation, so schien es zumindest.
Scheinbar hatte es hier viel geregnet und das Weiterkommen zur Schlucht schien zu gefährlich. Cosme, unser netter Pemón, erkundete den Weg und gab grünes Licht für die Mutigen unter uns. Und bitte voooorsichtig, paso a paso. So hangelten wir uns durch den teilweise reißenden Strom, einmal sogar an einem Seil baumelnd quer rüber auf die andere Seite. Es ging über rutschige Steine und dann schwimmend, dann tauchend vorbei an riesigen Wasserspinnen.
Dann waren wir in der Schlucht: fantastisch der Blick durch den engen Canyon, ohrenbetäubend der Wasserfall, von dem wir nur einen Teil wütend schäumen sahen. Um die letzte Ecke konnten wir uns nämlich trotz Seils wegen der Strömung nicht durchkämpfen. Aber herrlich, einfach loszulassen und sich durch den Canyon wieder zurücktreiben zu lassen. Das machten wir gleich ein paar Mal. Das war ein echtes Abenteuer!
Abends gab es dann ein gemütliches Essen in der palmbedeckten Hütte, Kartenspiele und Rum. Uns fehlt es hier an nichts.
Der Transport, der uns abholen sollte, kam fast 2h zu spät. Es schien hier aber nicht so dramatisch zu sein, denn Zeit ist hier noch viel relativer als bei Einstein. Der Transporter war ein klappriger Pickup, bei dem das Quietschen der Achsen lauter war als der Schluckauf des Motors. Irgendwie schaffte er es aber, uns 16 samt Ausrüstung in die Pemónsiedlung Kamarata zu bringen (man muss dazu sagen, dass ja keine Straßen in diese Gegend hier führen, und so muss jedes Fahrzeug zwangssläufig irgendwie zusammengeschustert werden). Von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Pemón sind wir übrigens ganz begeistert gewesen. Bei der Dorfchefin(!) konnten wir uns noch etwas Reiseproviant besorgen und dann verließen wir Kamarata mit seinen stolzen Frauen und durften nun testen, ob auch deren Männer was auf dem Kasten haben. 6 Pemón sollten von nun an unsere Boote führen. Wir stiegen also in die zwei gut 10m langen Einbäume und die Fahrt in die Wildnis ging los. Wir sahen ein paar Eisvögel, einen Tucan, ein paar Enten, aber insgesamt gab es weniger Tiere zu sehen, als erwartet. Eine Stromschnelle mussten wir umlaufen (zu gefährlich mit vollen Booten) und 100 Kurven weiter erreichten wir Iwana Merú, eine „Hütte“ ohne Wand mit Palmdach, in der wir unser Hängematten- und Küchenlager aufschlugen. Währenddessen brutzelten Hühnchen am Spieß überm Lagerfeuer. Hier gibt’s nur Stromschnellen, Tafelberge, den Himmel und uns, Gruß aus dem Niemandsland!
Und, (nochmal ehrlich), ob Ihr´s glaubt oder nicht, unser Abenteuer hier lässt uns das fast schon vergessen. Baden im Fluss, frühstücken, Boote beladen, ab die Post. Nach kurzer Fahrt mussten wir aussteigen, um eine Landzunge zu überqueren, während die Boote sich über Stromschnellen wagten. Die Wanderung war toll, Tafelberge zu beiden Seiten, 1000 Strelizien an einem Fleck, und huch, ein altes bruchgelandetes Goldgräber-Flugzeugwrack aus dem Jahr 1960 mitten in der Landschaft (ohne dass damals ein Mensch verunglückt war!). Dies lud zu bizarren Fotos ein. Wegen des hohen Wasserstandes kamen wir sehr schnell voran und erreichten El Arenal, ein Camp gegenüber vom mächtigen Wei-Tepui, schon zur Mittagszeit. Wir fassten einen Entschluss: wir wollten schon heute versuchen, zum Angel-Fall zu gelangen. Gesagt getan. Nach kurzer Mittagspause saßen wir also wieder in den Booten, nun ging es aber stromaufwärts den Churrún, der Fluss, der in den Schluchten des Auyan entspringt.
Die 1000m hohen Steilwände mit den vielen Wasserfällen sind atemberaubend, die Fahrt über die Stromschnellen auch und die Leistung unserer Bootsführer kann man nicht hoch genug loben. Und auf einmal tauchte er auf, erst von der Seite, dann immer frontaler, und schließlich uns gegenüber: der Salto-Angel, so reich an Wasser wie nur selten, uns fehlten die Worte.
Schnell wird’s hier dunkel, schnell neigte sich der letzte Rest Rum dem Ende, pünktlich zum schlafengehen meldete sich der Juckreiz, heftig fing es an zu regnen, die ganze Nacht durch, und 14 Dschungelkämpfer schliefen zufrieden in den Hängematten ein.
Mit jeder Tasse Frühstückskaffee ließ der Regen nach und nach der Dritten schien die Sonne, nichts wie los. Die Boote brachten uns ans andere Ufer des reißenden Churrún (unglaublich, dass man den in der Trockenzeit anscheinend durchlaufen kann) und wir wanderten durch einen Dschungel, wie man sich ihn vorstellt: Lianen, Pflanzen mit Riesenblättern, Moose Flechten Farne, nur Tiere fehlen uns, Schade.
Der Weg ist ein einziges Wurzelwerk und unser Gleichgewichtssinn wird aufs höchste beansprucht. Dann ging es steil und steiler hinauf über Stock und Stein und ab und zu hörten wir eine Cessna, die wohl gerade einen Rundflug machte. Bald hörte man aber nur noch das Tosen des Angel-Falls. Am Aussichtspunkt standen wir wegen der Gischt wie unter der Dusche, aber der Wasserfall war nun zum Greifen nahe und mehr als grandios. Wir setzen unsere Wanderung fort und gelangten zu einem Pool. Schade nur, daß es diesen Pool nicht mehr gibt, da sich alles hier in einen wilden Sturzbach verwandelt hat.
Also, kraxelten, hangelten und stolperten wir wieder zurück. Wir genossen die relative Ruhe des Waldes und die durchbrechende und wärmende Sonne, bis wir etwas müde und schwer beeindruckt wieder das Camp erreichten. Pünktlich zur Siesta setzte der Regen wieder ein. An die Hängematten haben wir uns längst gewöhnt und Wilmer ist als Dschungelkoch unübertrefflich. Die Abende sind lustig und ausgelassen selbst mit heißem Kakao statt Rum. Die Beine sahen nicht viel besser aus als gestern und die Männer könnten sich mal wieder rasieren. Wir sind einfach glücklich hier zu sein.
Noch einmal genossen wir die Blicke auf überwältigende Steilwände, bis wir den Auyan-Tepui endgültig hinter uns ließen und uns Canaima näherten. Der nächste Stopp sollte aber noch ein ganz Besonderer werden: der Salto Sapo. Das ist einer von 5 ca. 100m breiten Wasserfällen, die die Canaima-Lagune speisen, tja, und im Moment natürlich mit extrem viel Wasser.
Wir wanderten runter zum "Eingang" des Sapo (o Gott o Gott, solche abenteuerlichen Wege wären in Europa niemals öffentlich zugänglich wegen der Sicherheit...) und dann gingen wir den schmalen Pfad hinter dem Wasserfall entlang. Gingen?¿ Halb kriechend rutschend stolpernd tastend schleichend, denn die Wassermassen waren so immens, daß man stellenweise nichts mehr sah und das Getöse war unbeschreiblich, eine echte Mutprobe also. Adrenalingesättigt kamen wir auf der anderen Seite wieder raus und bewunderten das Spektakel aus nächster Nähe, echt irre!
Nachdem wir uns dann dankbar von unseren super Pemones verabschiedet hatten (schnief), waren wir auch schon in der Siedlung Canaima angekommen. Wir haben eine einfache Unterkunft und versuchten, wieder mit Sachen wie Dusche und Bett klarzukommen (klappte schon!). Einige von uns genossen in der Nacht noch Vollmond und Rum an der Lagune. Es wurden lustige Wetten gewonnen und verloren. Wilmer musste samt Klamotten baden gehen, und...ihr müsst ja nicht alles wissen...
Also konnten wir die Comunidad Canaima auf eigene Faust erkunden. Wir konnten den Sandstrand an der Lagune und die fantastischen Wasserfälle genießen, Kunsthandwerk kaufen, faulenzen oder Wilmer´s Klamotten beim Trocknen zusehen (hehe)…Das tat gut, denn die letzten Tage im Dschungel waren auch anstrengend, weniger körperlich als vielmehr vom Klima her, der Sonne, der für uns ungewohnten Hängematten, der vielen Sinneseindrücke, Körperhygiene im Fluss, all das eben…
Am Flughafen in Canaima ging alles zack zack, schnell waren wir in drei Cessnas aufgeteilt und genossen nochmal die Tepuis von oben. Außerdem sahen wir einen Berg, an dem Eisenerz abgebaut wird und den riesigen Guri-Stausee. Tja, und dann waren wir wieder im heißen Ciudad Bolívar angekommen – Siesta im Hotel, air-condition sei Dank!
Am Nachmittag brachen wir dann zu unserer Stadtbesichtigung auf, schönes Stadtzentrum, interessant, aber uns fehlte ein nettes Café oder ähnliches, irgendwie machen die Menschen hier zu wenig aus dem, was möglich wäre, so erscheint es uns zumindest. Jedenfalls hatten wir noch einen tollen Sonnenuntergang am Orinoco und feierten unsere Dschungelabenteuer in einem klasse Grillrestaurant. Aber nun verabschiedeten sich die 14 müden Tarzans und Janes, buenas noches, hasta mañana…
Am Morichal-Fluss bekamen wir sogar noch einen kurzen Eindruck von den Warao-Indianern des Orinoco-Deltas und konnten ihre Pfahlbauten sehen und ein wenig Kunsthandwerk kaufen. Mittagspause – welch Kontrast – dann in Maturín in einem modernen Einkaufszentrum USA-Style.
Kurz darauf wurde alles immer grüner und wir fuhren durch einen wahren Obstgarten, überall waren Zitrusfrüchte, Papayabäume, Maracuja, Melonen und weiter oben dann auch Kaffeesträucher zu sehen. Wir waren in der schönen Bergregion des Tumiriquire angekommen. Sogleich ging es zur berühmten Guácharo-Höhle mit seinem imposanten Höhleneingang und uns wurde viel interessantes über die nachtaktiven Fettschwalm-Vögel erzählt. Ein Wächter machte für uns sogar eine Ausnahme und wir durften deren Ausschwärmen vom Höhleneingang aus beobachten…
Genial dann unsere Unterkunft, für alle gab es perfekt ausgestattete Cabañas mit Küche und allem. Tja, in der Cabaña von Don Mateo und Juancho (Namen nur noch als alias) wurde es dann noch feuchtfröhlichlautlustigspät, hach, aber wieso ist der Rum hier auch nur so gut, da muss man ja…
Sehr beeindruckend, zum einen die Ausmaße der Höhle, als auch die bizarren Formationen der Stalagmiten und Stalaktiten – und natürlich die Vögel, die uns die ersten 800m in die Dunkelheit mit einem irren Geschreie begleiteten, Hitchcock ließ grüßen. Dann zwängten wir uns durch einen schmalen Spalt, den die Vögel nicht passieren können und waren in der dunklen Stille angelangt. Nach weiteren 400m war dann Schluss für uns, weitere 10km (!) sind nur für Forschergruppen mit Ausrüstung zugänglich. Tolle Höhle, spannend, interessant, aber ich glaube irgendwie war jeder auch erleichtert, wieder unter blauem Himmel und in grüner Natur zu sein.
Viele Kurven später war es dann so weit: die Karibikküste, yippieee. Wilmer, Edgar und Eddi schien die Musik auszugehen und wir mussten sogar auf die Kellys zurückgreifen, aber stellt Euch vor, (fast) jeder sang mit. Muss an der Karibik liegen, emocionante!
Mochima ist ein kleines, verstecktes Dörfchen. Wir bezogen Quartier in zwei verschiedenen Unterkünften, alles sehr familiär und genossen Zackenbarsch, Red Snapper und Sägefisch in einem tollen Restaurant. Und dann war Schluss, nach unserer Feier von gestern ging es heute bei den meisten früh in die Federn, wir sollen morgen ja früh schon wieder...hat da wer geglaubt, er hätte Urlaub?
Und dann: „Delfine auf Backbord! Jetzt auf Steuerbord. Wo? 9 Uhr! Hä? Na links, und vorne!“ Toll, erst sahen wir nur ein paar, dann immer mehr und immer näher, eine ganze Delfinfamilie ganz nah an unserem Boot. Kurz darauf ankerten wir im kristallklaren Wasser, legten Schnorchel und Maske an und ließen uns von einer fantastischen Unterwasserwelt verzaubern: bizarr geformte Korallenriffe, Fische in allen Farben Seeigel, -sterne, -gurken, sogar eine gefleckte Moräne sahen wir, echt spitze!
Aber nun: vamos a la playa. Jetzt am Samstag war der Playa Blanca natürlich gut besucht, aber wir fanden unsere Plätzchen, relaxten, plantschten, schmöckerten, guckten und verbuddelten Thomas im Sand. Na ja, wir machten alles, was man am Strand eben so macht. Dann wurde es immer leerer, die Sonne ging schon unter, die Fischerboote fuhren die letzten Ausflügler zurück nach Mochima und so hatten wir nachts den ganzen Strand für uns. Unser Bootsmann Roger bescherte uns einen tollen Grillabend, die Sterne strahlten und schnuppten, und gibt es was schöneres als nachts (und, wer wollte, auch nackt) unterm Sternenhimmel im warmen Karibikwasser mit Meeresleuchten zu baden. Das war genial!
Irgendwann fuhren wir zurück nach Mochima, lernten auf der Straße vor unserer Posada ein paar nette Venezolaner kennen, feierten und tanzten und für manche von uns endete der Tag erst um 4 Uhr früh. Glaub ich.
Zuerst führte die Stadtautobahn vorbei an den Barrios, also den Armenvierteln, deren „Struktur“ so chaotisch und zufällig aussah, kurz danach schlängelte sie sich durch ein Kaleidoskop an Wolkenkratzern, Parkanlagen, Militärflughafen und Riesen-Reklameschildern. Schließlich gelangten wir nach El Hatillo, einem sehr schönen Vorort von Caracas und scheinbar ist er auch ein beliebtes Ausflugsziel an Sonntagen. Hier konnte man schön durch die Gassen schlendern, Souvenirs kaufen oder einfach nur dem Treiben auf dem Plaza Bolívar zusehen.
Gemütlich hier, und so blieben wir auch noch zum Abendessen und fuhren dann erst zum Hotel. Wir waren wohl alle schon etwas müde, aber einige beschlossen dennoch, noch auf ein, zwei Cervezas in eine Bar zu gehen. Naja, die Bar war etwas düster und nicht so der Bringer, also entführte uns Edgar noch in eine Disco. Und da steppte der Bär, aber so richtig. Und bald steppten auch wir, aber noch richtiger. Und weil man ja nicht alles erzählen muss, lassen wir es hierbei bewenden und sagen ein letztes Mal Gute Nacht – ach nee, ist ja schon Morgen – aus Venezuela.
Dann ab in die Metro, um zum Plaza Bolívar zu fahren. Mit unserem Bus wäre das mehr Im-Stau-Stehen als fahren gewesen, und so lernten wir auch das authentische Leben und den Trubel der Hauptstadt kennen. Eddy zeigte uns das Capitolio, das Justizgebäude, das Rathaus, den Plaza Bolívar, eine berühmte Kirche mit tollen Gemälden und das schöne Geburtshaus des Befreiers Simon Bolívar. Politische Parolen an den Wänden, Straßenhändler, Prediger, Wundermittel-Verkäufer: pulsierendes Leben in den Straßen.
Mittags fuhren wir dann zum Flughafen, managten alles recht gut mit den drei verschiedenen Flügen (zwei von uns fliegen ja zum verlängern nach Margarita, und zwei nach Los Roques, Neid!), und saßen alle nochmal in einer Kantine beisammen. Ja, und dann, immer wieder blöd, kann man das nicht aus dem Programm nehmen? Ach so, geht nicht, blöd! - der Abschied! Es gab Küsschen, Umarmungen und Tränen, und am Ende geht´s doch immer schnell und plötzlich. Wir hatten eine wirklich intensive Zeit miteinander verbracht, wir hatten eine tolle Reise, Freunde, vielleicht sehen wir uns ja wieder, vielleicht auch nicht, aber die Erinnerung an unsere 18 Tage Venezuela nimmt uns keiner. Hasta la vista, amigos, viva la vida!!!
20.01.12Dorothea
Ich bin immer noch überwältig von der spannenden und erlebnisreichen XXL-Tour. Es war eine super Reise und eine ebenso tolle Gruppe. Jeder Teil der Reise...
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Nele