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Zwei Seifenkistenfahrer

Wer von uns als Kind Seifenkisten gefahren ist, weiss was für ein Riesenspaß diese kleinen Fahrzeuge ohne Motor sein können. Doch wussten Sie, dass es Leute gibt, die Seifekistenfahren zu Ihrem Lebensinhalt und Brotverdienst gemacht haben? Pro7 und Sat1 haben vor kurzer Zeit eine tolle Reportage zu diesem Thema gedreht, welche eine Gruppe von waghalsigen Seifenkistenfahrern begleitet, die dieses Fortbewegungsmittel nicht aus Spaß sondern für Ihren Brotverdienst nutzen!

 

 

Auf der gefährlichsten und einzig für Lastwagen befahrbaren Passstraße, die Linea 5, an der Andenkordillere Kolumbiens, arbeiten die furchtlose Piloten, die sogenannten Balineros, mit ihren selbstgebauten Seifenkisten. Ihren Namen haben sie von den Kugellagern, den Balineras, auf denen ihre Karren rollen. Bis zu 80 Stundenkilometer können diese selbstgebaueten Fahrzeuge die aus ein paar Brettern und vier Räder aus Kugellagern bestehen, erreichen!

(c) Geo.de

Fahrzeug: Die Fahrzeuge der Balineros könnten minimalistischer nicht sein: Eine Holzplatte dient als Basis, unter diese wird vorne ein simpler Deichselbaum für die Lenkung geschraubt, weiter hinten werden noch zwei Ränder angebracht. Die Räder selbst bestehen aus großen Kugellagern aus LKWs, welche mit dicken Gummilappen überzogen werden.
Federung, Aufhängung, Polsterung? Fehlanzeige! Selbst Bremsen kennen die furchtlosen Balineros aus Kolumbien nicht! Zwei dicke Gummilappen werden durch Löcher im Fahrzeugboden über den Boden geschleift, auf den der Pilot mit seinen Füßen sein Körpergewicht stemmt und so die Seifenkiste abbremst. Gelenkt wird der Schlitten durch einen Gurt am Deichselbaum, an dem der Pilot zerrt und so die Achse in eine Richtun gedreht. Auch durch das Verlagern des Körpergewichts kann man Einfluss auf die Fahrt dieser halsbrecherischen Gefährte nehmen.

(c) gerhardgreti.at

Die Passstraße: Früher war das Gebiet rund um die Linea 5 zu Teilen von der  Guerilla und paramilitärischen Gruppen besetzt. Ein Autoservice war hier undenkbar. Da auch die LKWs zu dieser Zeit deutlich anfälliger als heutige High-Tech-Gefährte waren, etablierten sich die Seifenkisten als praktische Helferlein, die sich erst von den LKWs auf den steilen Pass hinaufziehen lassen und dann von dort losrollen, um in Not geratenen Truckern zur Hilfe zu kommen. Die Balineros sind wie das ADAC auf der Linea 5. Durch das neue High-Tech Mechanismus der neuen LKWs,  werden die Balineros nicht mehr so oft benötigt, sodass viele  Balineros meistens “nur noch” die Schwertransporter waschen müssen anstatt LKWs zu reparieren. Durch diese extrem gefährliche Passstraße mit unendlich vielen Kurven, steile Serpentinen und Windungen, rasen die Balineros mit über 80 km/h überall hinunter, wo sie gebraucht werden. Danach lassen sie sich von anderen Fahrzeugen wieder auf 3.200m hinaufziehen. Balineros bezeichnen sich selbst als “Die Brettpiloten“ und können sich ein Leben ohne die Linea 5 nicht vorstellen. Trotz der Gefahr, ist die Linea 5 deren Wohnort, Arbeitsplatz und Lebenssinn. Balineros sorgen für das Bergen gestürtzte Ladungen, versorgen die Bauarbeiter, bewachen nachts die Trucks, reparieren liegengebliebene LKWs, säubern die Straße, besorgen Ersatzteile und waschen Schwertransporter ab. Feste Tarife verlangen sie für ihre Tätigkeiten nicht.

 

Haben Sie die Balineros schon live erlebt oder könnten Sie sich vorstellen, Ihren Lebensunterhalt mit Seifenkiste zu verdienen?

 

 

'3 Antworten auf “Balineros – Kolumbiens furchtlose Seifenkisten-Piloten”'
  1. Andrej sagt:

    Hallo Samara!

    in meiner Kindheit habe ich es geliebt zusammen mit meiner Vater an meinem persönlichem Rennwagen zu basteln *g* Vielleicht findet mein Sohn ja auch gefallen daran! Zu mindestens hoffe ich es wird nicht so gefährlich wie in deinem Artikel ;-)

    schöne grüße aus Tirol,

    Andrej

  2. Miguel sagt:

    Hallo Samara,

    ich glaube der Bericht ist gute 20 Jahre alt und ist in den 90er bei Arte unter “Die Kinder der Linea” gesendet worden.

    Die Kinder der Línea gibt es heute nicht mehr so wie einst. Die aus dem Film sind mittlerweile Väter und falls sie noch auf der Strecke leben und nicht weg gezogen sind, haben sie kleine Restaurants und Waschplätze für die LKW-Fahrer und ihre Fahrzeuge eröffnet. Die Seifenkiste sieht man nur noch ganz selten. Wenn, dann ist die ganze Familie unterwegs in den Urlaub ;). Sie sprechen sich dann mit befreundeten Lastfahrern ab, damit diese sie dann wieder hochziehen.

    Aber die Verhältnisse auf der Linea haben sich sehr verändert. Die Fahrbahn wird verbreitert, Kurven werden durch Brücken gespart; die ganze Strecke wird schneller. So soll am Ende der Bauarbeiten die alte La Linea zweispurig nur in eine Richtung (West-Ost) befahrbar sein, für die entgegengesetzte Richtung gibt es sogar einen Tunnel und auch diese Strecke wird zweispurig sein.

    Ein weiterer Grund weswegen es heute die damals so wichtige Versorgung mit Ersatzteilen, die auf den Seifenkisten hergefahren wurden, nicht mehr gibt, ist dass moderne LKWs mit GPS und modernen Kommunikationssystemen ausgestattet sind, so dass im Falle einer Panne der Bordcomputer per Internet die Werkstatt informiert, welche Teile zu besorgen sind und ein spezielles Fahrzeug sich dann mit diesen Stücken auf dem Weg macht.

    Der wichtigste Grund aber ist, dass im Jahr 2002 die damalige Regierung sogenannte Mileniumsziele erlies unter anderem auch was die Erfüllung der Schulpflicht angeht, die Reduzierung der Zahl der Schulabbrecher und die Erhöhung der Zahl der Schüler, die eine Schulausbildung GANZ erreichen. Seit dem sieht man an der Linea keine Kinder mehr außerhalb der Ferienzeit, denn die Polizei fährt diese Strecke täglich mehrere Male ab. Heute sieht man am Wochenende an schwer überschaubaren Kurven Jugendliche stehen, die den Verkehr regeln, gerade wenn große LKWs, die bei Kurven auf die Gegenfahrbahn ragen, entgegen kommen.

    Auch auf der Linea wurden die Balineros zu Legenden.

    Un gran saludo desde Colombia

    • Hallo Miguel und vielen Dank für deien ausführlichen und informativen Kommentar!
      Toll zu hören, dass sich keine Kinder mehr mit diesen halsbrecherischen “Seifenkiste” auf der Linea mehr von tonnenschweren LKS raufziehen lassen um dann wieder runterzubrettern, nur mit Schuhen und LKW-Reifen auf dem Asphalt bremsend. Gut zu hören, aber eben auch irgendwie schade – der Wow-Effekt und die “Romantik” ist futsch. Eine sensationelle Geschichte auf jeden Fall:
      Otra vez muchas gracias por tu comentario y un saludo desde Berlin,

      Benno

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